Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-954072
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Französische 
Gofhik. 
thümlieh gebildeten Knospenkapitäle, alles dies trägt den 
primitiven und rüstigen Charakter der frühesten gothischerl 
Zeit. Besonders endlich deuten die Pfeiler auf eine solche 
Frühzeit, indem sie im Chore und in den dreisehiffigen Kreuz- 
armen aus einem schmalen viereckigen Mauerstücke und 
zwei auf den Schilfseiten angelegten, nur leise damit ver- 
bundenen Säulen bestehen. Es ist fast derselbe Gedanke, 
welchen der Meister der Kathedrale von Sens an den 
Zwischensäuleil anwandte, nur dass die Säulen , Weil sie 
hier nicht mit stärkeren Pfeilern wechseln und selbstständig 
das Gewölbe tragen, durch jenes verbindende Mauerstück 
verstärkt sind. Im Langhause, welches jünger erscheint, 
aber doch wohl noch um die Mitte des Jahrhunderts er- 
richtet sein mag, sind an Stelle dieser ungewöhnlichen 
Form stattliche kantonirte Rundsäulen getreten. 
Ohne Zweifel entstand dieses Suchen und Schwanken 
dadurch, dass man die Mängel der kantonirten Säule 
schon damals fühlte. An einigen Orten half man ihnen da- 
durch ab, dass man die Säule beibehielt, aber die Zahl der 
angelegten Halbsäulen auf acht oder mehr vermehrte. Man 
schritt also auf dem WVege fort, welchen die Meister von 
Rheims und Chartres angedeutet hatten, indem sie die blosse 
Säule durch die Anfügung von vier Halbsäulen verbesser- 
ten. Man erlangte dadurch eine noch grössere Brechung 
der cyliiulrischen Gestalt und eine vollständigere Verbin- 
dung des Pfeilers mit dem Kreuzgewölbe. Der erste Bau, 
bei welchem diese Form angewendet wurde, war vielleicht 
der schon früher in anderer Beziehung erwähnte Chorbau 
der Kathedrale von Mans, welcher im Jahre 1217 auf 
Befehl König Philipp Augustis begonnen wurde, und den 
leichten und kühnen und doch ernsten und grossartigen 
Styl dieser Zeit schon in so schöner Entwickelung zeigt, 
dass er unserem Berichterstatter neben dem finsteren roma-
        

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