Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953915
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Die 
Kathedralen 
VOIl 
Chartres,- 
her erwähnten Kirchen nicht durch ausserordentliche und 
überraschende Neuerungen, vielmehr findet sich an ihnen 
kaum irgend eine Form, die nicht schon in einer oder der 
anderen derselben vorgekommen wäre. Aber der bisher nur 
geahnete Grundgedanke ist nun mit vollem Bewusstsein 
harmonisch und consequent durchgeführt. Man sieht, dass 
diese Meister die Arbeiten ihrer Vorgänger vor Augen 
hatten, dass sie daraus das Richtige, dem neuen Geiste 
und Systeme Zusagende auswählten, das Spröde und Harte 
milderten, das Ganze möglichst zu vollenden suchten. Die 
allzuweiten, quadraten Gewölbfelder des Mittelschiffes, die 
breiten Gallerien haben sie bleibend aufgegeben, schmale, 
mit jeder Arcade abschliessende Gewölbe und leichte Tri- 
forien sind an ihre Stelle getreten. Durch diese, schon in 
der Kathedrale von Soissons ausgeführte Neuerung wurde 
die völlige Durchführung des Strebesystems, die Herstel- 
lung gleicher und schlanker Pfeiler und Traveen, die Ver- 
minderung der Zwischenwände und die Ausdehnung der 
Fenster bis an den Schildbogen der Gewölbe, und endlich 
der Sinn für organische Vollendung des Ganzen angeregt. 
Die Meister unserer Kathedralen gingen in allen diesen 
Beziehungen auf dem gemeinsamen Wege Weiter, ohne 
sich allzlnasch von den Traditionen ihrer Vorgänger zu 
entfernen. Die einfache Rundsäule, die man in Laon und 
N. D. von Paris angenommen hatte, genügte ihnen nicht 
mehr, aber der Grundgedanke derselben wurde festgehalten, 
und hieraus eines der Wichtigsten Glieder dieses früheren 
französischen Styls, der kantonirte, d. h. mit vier ange- 
legten, den Schiffen und den Scheidbögen entsprechenden 
Halbsäulen besetzte Rundpfeiler gebildet. In Beziehung auf 
die statischen Mittel strebten sie danach, dem Wesentlichen 
und Constructiven den feineren Ausdruck zu geben, in 
welchem sich seine tiefere Bedeutung entwickelt. Daher
        

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