Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953855
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Die 
zweite 
Generation 
goth. 
Kathedralen. 
zeigt, ist die Kathedrale von Soissons. Nachrichtlich 
wissen wir, dass ein Neubau im Jahre 1175 begonnen 
wurde, und eine Inschrift im Chore meldet, dass dieser im 
Jahre 1212 so weit vollendet war, dass der Dienst darin 
beginnen konnte k), der Augenschein ergiebt aber , dass 
der südliche Kreuzarm, eine Nachahmung der Kreuzconchen 
der Kathedrale von Noyon, der älteste 'l'heil, mithin bald 
nach 1175, spätestens im letzten Decennium des zwölften 
Jahrhunderts ausgeführt ist, dass dagegen die ganze übrige 
Kirche mit dem ebenerwähnten Chore sehr genau überein- 
stimmt und daher bald nach 1212 erbaut sein muss. Die 
Gallerie, Welche in jener Kreuzconcha 
mit einem (larüber hinlaufenden kleinen 
noch pleonastisch 
Triforium beibe- 
halten war, ist in den späteren Theilen überall fortgeblie- 
hen, dagegen sind die Seitensehilfe höher und das 'l'rif0- 
rium schlanker gehalten, so dass das Gewölbe dieselbe Höhe 
erreicht, wie dort. Die Ueberwölbung des Mittelschiffes ist 
in schmalen Feldern ausgeführt, die Säulen haben zwar 
noch das hohe Knospenkapitäl und die Basis mit dem 
Eckblatte wie in der Kathedrale von Laon, aber sie sind 
schlanker gehalten und durch eine im Mittelsehiffe vorge- 
legte I-Ialbsäule verstärkt, von welcher fünf Gewölbdienste 
aufsteigen. Das Triforium besteht noch aus fortlaufenden 
Arcaden gleicher Höhe, deren Gesims mit den Gewölb- 
diensten durch V erkröpfungen verbunden ist; die Fenster 
sind Weit und hoch, das Oberschiff hat schon die volle 
Leichtigkeit des gothischen Baues. Anfänge des Maass- 
S) Anno milleno biscenteno duodeno hunc intrare chornm cepit 
grex Canonicorum. Die Gallia Christiana, Vol. IX, col. 365, bemerkt 
sogar, dass aus Urkunden von 1210  1212 hervorgehe, dass in die- 
sen Jahren die ganze Kirche vollendet und durch Bischof Haimardus 
ausgeschmückt sei. Wahrscheinlich enthalten diese Urkunden die Stif- 
tung von Altären und würden sich daher auch aus der Vollendung des 
Chores erklären lassen.
        

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