Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953822
Erfindung 
des 
Maasswerks. 
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einer Gruppe, bei der dann aber die leere Stelle zwischen 
den beiden divergirenden inneren Schenkeln der Spitzbögen 
unangenehm aufiiel. Eine ähnliche Lücke ergab sich bei 
den Gallerien, deren Arcadenbögen mit dem Schildbogen 
ihrer Gewölbe ein Bogenfeld bildeten, das leer und lastend 
erschien und dessen Durchbrechung den Vortheil stärkerer 
Beleuchtung des Mittelschiffes aus den Fenstern der Gal- 
lerie gewährte. Hier kam man, wie es scheint, zuerst 
darauf, diese Durchbrechung durch eine kreisförmige Oeff- 
nung zu bewirken. Dies findet sich schon in Notre-Dame 
von Paris, aber in der Art, dass über den drei Arcaden 
jeder Abtheilung nur ein Kreis, also über der Spitze des 
mittleren Bogens und ohne alle organische Verbindung, 
angebracht ist. Wirksamer wurde eine solche Kreisöff- 
nung, wenn sie bei der Zusammenstellung von nur zwei 
Spitzbögen in der Lücke zwischen denselben stand; sie 
gab dann eine annähernd vollständige Ausfüllung des Bo- 
genfeldes unter dem Schildbogen. Auch hier liess man sie 
anfangs ohne alle organische Verbindung mit den Spitz- 
bögen i), kam aber doch bald darauf, sie denselben näher 
zu rücken und die ganze Gruppe durch einen umschlies- 
senden Bogen zu begränzen. Dies war der erste Anfang 
zur Bildung des Maasswerkes, von dem unter anderen die 
1227 geweihte Klosterkirche zu Longpont im) und die 
wahrscheinlich gleichzeitige von St. Leu d'Esserent, 
beide in der Picardie, Beispiele geben. Gleichzeitig begann 
man aber schon an anderen Orten, statt zweier kleinerer 
ein grösseres Fenster anzulegen, und dasselbe ähnlich jenen 
zusammengerückten Durchbrechungen durch freistehende 
1'] Beispiele dieser Anordnung sind nicht sehr häufig. Sie finden 
sich im Kreuzschiffe des Münsters zu Strassburg und in 'den unten 
zu erwiihnenden Kirchen zu Fäcamp und Louviers in der Normandie. 
w) Gallia christiana IX, 473. Abbildungen in der Voyage dans 
Pancienne France, Picardie.
        

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