Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953799
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Der 
frühgothische 
französische 
Styl. 
schiffe zu geöffnet, zu deren Unterstützung an der Gränze 
jeder Abtheilung förmliche Steinbalkexi angebracht sind, die 
von zwei in die Mitte der Gallerie gestellten Säulen ge- 
tragen werden Offenbar ein Versuch, um durch dieses 
Band von Tonnengewvölben den Pfeilern des Mittelschiffes, 
welche die Last der hohen Gewölbe tragen mussten, iln'en 
Dienst zu erleichtern. 
Während die erwähnten Kathedralen langsam ihrer 
Vollendung näher rückten, musste man wohl auf manche 
Mängel des dabei beobachteten Systems aufmerksam wer- 
den, ohne ihnen jedoch sogleich abhelfenzu können. Eine 
Quelle solcher llläxigel war die bisher noch immer beibe- 
haltene Gallerie, da sie das Langhaus verdunkelte und die 
niedrige Anlage der Seitenschiffe und die schwerfällige 
Form der Säulen herbeiführte. Ein kirchliches Bedürfniss 
zu ihrer Beibehaltung war nieht vorhanden, allein man be- 
trachtete sie als eine Kräftigung des Mittelschiffcs und 
überdies als eine Verankerung der Pfeiler, und glaubte sie 
daher, obgleich die Kathedrale von Sens sich schon darüber 
fortgesetzt hatte, bei grösseren Anlagen nicht entbehren zu 
können. Endlich befreite man sich zwar von diesem Vor- 
urtheile, indessen geschah auch dies nur sehr allmälig, und 
wir finden Wenigstens an einigen Bauten einen eigenthiim- 
liehen Versuch, die Vortheile der Gallerie ohne ihre Uebel- 
st-ände beizubehalten. Man behielt nämlich die Gallerie- 
Öffnungen als eine Verankerung der Pfeiler bei, ohne wirk- 
liche Gallerien anzulegen. Dies geschah in der Normandie, 
wo schon das Langhaus von St. Etienne in Caen bei roma- 
nischer Lleberwölbung das Beispiel einer solchen Anord- 
Ü Bemefkßnswßüh iSt auch, dass diese Gewölbe, ganz ähnlich 
wie die der Gallerie von Notre-Dame, nach aussen zu aufsteigen und 
so eine grössere Fensterwand erhalten, in welcher hier ungewöhnlicher 
Weise je ein kreisförmiges Fenster angebracht ist. Siehe die kleine 
Zeichnung bei Violet-le-Duc a. a. O. S. 196. 
        

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