Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953784
Die 
Kirche 
Zll 
Mantes. 
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Arcatur bleiben können, welche, da die Thürme auf den 
   r und auf sehr starken Pfeilern ru- 
Westhchen tre ep ei e n 
heten, zur Sicherheit nichts beitrug; allein der Meister hat 
es vorgezogen, sie auch hier anzubringen, so dass nun die 
schon im Langhause ziemlich schlanken Galleriesiiulen in 
gleicher Stärke luftig zu der bedeutenden Höhe aufsteigt-n, 
welche ihnen das obere Gewölbe anwies. Es ist nicht zu 
verkennen, dass diese übermässig schlanken Säulenstämnle 
den Eindruck des Gedehnten und man möchte sagen Wa- 
gehalsigen machen, aber dennoch liegt in der Kühnheit 
dieses schlanken Aufschwunges, welcher den ohnehin schon 
luftigen Formen des Ganzen eine unerwartete Steigerung 
giebt, eine Anmuth, die der Kritik Schweigen auflegt k). 
Ist dies eine jugendliche Uebertrcibung, so erkennen wir 
in einer anderen Anordnung noch eine gewisse Schüch- 
ternheit und Neuheit des Styles. Die westlichen Abthei_ 
lungen der Gallerie sind nämlich mit Kreuzgewölbcxi bc- 
deckt, deren Diagonalgurten, um es beiläufig zu erwähnen, 
auf Consolen mit ungemein frei und geistreich gearbeiteten 
Thier- und Menschengestalierl ruhen. Diese Art der Ueber- 
WÖlbllllW scheint indessen erst im Laufe des Baues beliebt 
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Während in den sieben Abtheilunven über dem Chorum- 
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gange und in den zwei daran anstossenden der nördlichen 
Gallerie eine ganz andere VVölbungsart versucht ist. Sie 
haben nämlich spitze lbnnengeivölbe, nach dem Mittel- 
Ü Die Höhe des Gewölbes ist 98 Fuss. Millin, a. a. O. S. H), 
erzählt, dass der Baumeister Endes von Montrenil (dessen unten näher 
211 gedenken) Über die Kühnheit seines Werkes selbst so erstaunt ge- 
wesen sei, dass er bei der Fortnahme der Hülfsbogen des Gewölbes 
nicht gegenwärtig zu sein gewagt, daher nur seinen Neffen gesendet 
habe. 0b Millin diese Nachricht aus einem von ihm an einer anderen 
Stelle seines Aufsatzes eitirteil Manuscript oder woher sonst genommen 
und welches Alter dieses Manuscript habe, ist nicht gesagt, indessen 
ist die Anekdote auch als Erfindung immerhin charakteristisch für die 
Kühnheit des Baues.
        

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