Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953749
Ausbildung 
der 
Faqade. 
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schon zwischen den Strebepfeilern hervor und füllen somit 
die Vertiefung aus. Sie bilden so einen Vorbau, der ober- 
halb der Archivolten durch eine Arcadenreihe und Geallerie 
horizontal bekrönt ist. Ebenso ist das zweite, dem Ober- 
schiffe entsprechende Stockwerk durch eine horizontale 
Linie begränzt, über Welche dann als drittes wiederum eine 
Reihe gleichhoher Arcaden auf der ganzen Breite der Fa- 
cade fortläuft. Besonders wichtig ist aber die Anordnung 
dieses zweiten Stockwerkes, Welches an den Seitenschiflen 
eine Doppelarcade von Spitzbögen, im Mittelschilfe aber 
ein mächtiges, vertieftes Rosenfenster erhalten hat. Die 
ganze Haltung dieser Faeade ist eine höchst strenge, alle 
horizontalen und verticalen Abtheilungen treten mächtig 
hervor, die stark geformten Pfeiler und anderen Glieder 
werfen ernste Schatten über die Fläche; aber sie spricht 
mit unvergleichlicher Würde den kirchlichen Charakter aus, 
und enthält alle Momente, aus welchen der spätere reiche 
Facadenbau sich entwickelte. Auch die Facade der Ka- 
thedrale von Laon hat die Rose in sich aufgenommen; sie 
ist aber fast plump und schwer, was sich zum Theil da- 
durch erklärt, dass ihre Ausschmückung erst lange nach 
ihrer Anlage erfolgt ist. 
Nicht bloss in der allgemeinen Anlage und in dem 
Constructiven, sondern auch und besonders in den feineren 
Details und in ihrer plastischen Ausführung sehen wir die 
schnelle Entwickelung des Geschmacks. Schon im Chore 
von St. Germain des Pres in Paris von 1163 und in N. 
D. von Chälons ist die Ausführung der Kapitäle sehr vor- 
trefflich und geistreich, aber doch noch ganz im Sinne des 
romanischen Styls mit steter Beibehaltung der korinthischen 
Grundform, mit bizarrer Vorliebe für 'l'hiergestalten und 
mit grösserer Freude an anregendenl XVechsel als an har- 
monischer Uebereinstimmung. In N. D. von Paris dagegen
        

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