Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953737
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Der 
frühgothische 
französische 
Styl. 
rakter zu geben, steigern vielmehr den Ausdruck des Vol- 
len und Kräftigen. Bei alledem aber sind diese Bauten 
mächtig und iniponirend; namentlich die Kathedrale von 
Laon macht mit ihren grandiosen Verhältnissen, ihrer völ- 
lig durchgeführten Regelmässigkeit, der eigenthülnlichen 
Verbindung von vollen, fast überkräftigen Formen mit der 
Kühnheit ihrer schlanken Gewölbträger einen bedeutenden 
Eindruck. Es ist darin eine Strenge und Kraft, welche 
an den dorischen Styl erinnert. VVir haben in Deutsch- 
land, Wo dem ausgebildeten gothischen Bau der bunte und 
in seiner Weise zierliche Uebergamgsstyl vorhergiilg, kein 
Gebäude, das wir diesen an die Seite stellen könnten. 
Die Facade ist hier überall später als das Schiff, aber 
doch Wieder an allen diesen Kirchen ungefähr gleichzeitig 
ausgeführt, und auch an ihr können wir einen Fortschritt 
bemerken. Die von Senlis erinnert durch die strenge Ab- 
theilung der Schilfe vermöge der Strebepfeiler noch sehr 
an die von Chartres und von Noyon, nur dass, da das 
Mittelschiff nicht die grosse Breite hat wie dort, die Sei- 
tenportale nicht mehr in das HauptschiH, sondern unter 
den 'l'hürmen in die NebenschiHe führen und dafür das 
Hauptportal grösser und höher gebildet ist. Aehnlich, 0b- 
gleich in breiteren Verhältnissen, ist die von Sens; indes- 
sen zeigt sie schon den Versuch, das Ganze der Breite 
noch mehr zu verschmelzen, indem die Strebepfeiler an den 
Ecken abgefaset und mit den oberen Gallerien verbunden 
sind. Vor allem zeigt sich aber ein grosser und höchst 
bemerkenswerther Fortschritt an der unter der Regierung 
König Philipp Augustis im Anfange des dreizehnten Jahr- 
hunderts ausgeführten Faeade von N. D. von Paris. Hier 
ist Alles klar und harmonisch geordnet; die drei Portale, 
welche vermöge der fünfschiffigen Anlage des Planes 
Sämmtlich eine ansehnliche Breite erhalten haben, treten
        

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