Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953689
Die 
Kathedralen 
V01] 
Paris 
und 
Laon. 
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die Schwierigkeiten seiner Aufgabe in befriedigender Weise 
zu beseitigen. Die dichtgestellten Säulen, deren geringe 
Ilöhe durch das Blissverhältniss der darauf ruhenden Ge- 
wölbdicnste noch auffallender wird, dasgedrückte Verhält- 
niss der SeitenschiÜe, die Gleichheit der beiden ersten 
Stockwerke, die leere WVand über der Gallerie und endlich 
die trotz aller Vorkehrungen nicht völlig überwältigte Dunkel- 
heit geben dem Innern den Charakter des Finstern und 
Schwerfälligen. Bei Weitem leichter erscheint es in der 
Kathedrale von Laon, obgleich die ebenfalls schweren Säulen 
nicht minder dicht gestellt, die Gewölbstiitzen noch kräfti- 
ger sind, das Verhältniss der Höhe zur Breite des Mittel- 
schiffes sogar viel geringer ist. Allein die Gallerie ist 
niedriger, der Raum zwischen ihr und den Fenstern durch 
ein kleines Triforium belebt, die Stockwerke erheben sich 
daher in abnehmendem Verhältnisse übereinander, und end- 
lich erscheinen die freistehenden Gewölbstützelm, Weil sie 
durch fünf Ringe getheilt und mit den Säulen der Gallcrie 
in Uebereinstimmung gebracht sind, leichter und Weniger 
gegen die Säulenstämme contrastirend. Es ist gewisser- 
maassen eine Verschmelzung der Gedanken, Welche in Paris, 
mit denen, welche in der hier benachbarten Kathedrale von 
Noyon angewendet waren. Statt der wechselnden Pfeiler 
und Säulen von Noyon ist hier wie in Paris die regel- 
mässige Folge gleicher, kräftiger Säulenstämme gewählt, 
die constructive Strenge also ebenso betont, zugleich aber 
diese Strenge durch dieselben Mittel der Belebung und der 
Brechung der Massen gemildert, welche schon in Noyon 
mit günstigem Erfolge angewendet waren. Sehr viel gün- 
stiger erscheint an der Kathedrale von Paris das Aeussere; 
die ernsten und unverzierten aber mächtigen Strebepfeiler 
und Bögen, die flach gedeckten, über einander aufsteigen- 
den Stockwerke der Seitenschiffe und Gallerien, die durch-
        

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