Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953611
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Anfänge 
des 
gothischen 
Styls. 
reich verzierte Rosetten anbrachte, welche nicht füglich über 
der scharfen Spitze eines Lancetbogens stehen konnten. Die 
Anordnung der Faeade gleicht der des Doms zu Chartres, 
sogar darin, dass sie über dem Mittelportale (dessen Aus- 
führung einer späteren Zeit angehört] drei Lancetfenster 
und darüber eine Rosette hat. Das Ganze des Gebäudes 
ist sehr eigenthümlich, es hat fast ebensoviei mit dem 
romanischen Style als mit dem gothischen gemein, es ver- 
bindet das Volle, Kräftige, Reiche des ersten, mit dem 
Aufstrebenden des Gothischen. Es giebt aber auch nicht 
die nnbehagiichen, unharmonischeir und gespreizten Formen, 
welche dieser Uebergang häufig hervorbringt, sondern ge- 
währt den Eindruck eines zwar gesetzten und mässigen, 
aber rüstigen, thatkräftigen und angeregten WVesens. 
Neben diesen beiden Bauten ist auch die Klosterkirche 
zu Orbais in der Champagne (1197-1201) zu erwähnen, 
deren halbkreisförmiger Chor, von starken Rundsäulen mit 
darauf stehenden Gewölbträgeru umstellt und von fünf 
radianten Kapellen umschlossen, in seinen Details sehr an 
St. Remy von Rheims erinnern soll  
Dass diese Neuerungen nicht auf die Picardie und 
Champagne beschränkt waren , ergiebt zunächst der Chor 
von St. Germain des Pres in Paris, Welcher dem 
älteren Schiffe nach der Mitte des zwölften Jahrhunderts 
hinzugefügt und im Jahre 1163, also etwa gleichzeitig mit 
dem Beginne der Arbeiten an St. Remy in Rheims, bereits 
beendet war und geweiht wurde w). Auch hier die An- 
1'] Bulletin monumental XVI. p. 123. 
im) Die bei Felibien, Hist. de 1a viile de Paris, Pieces justifica- 
tives pag. 64 abgedruckte Urkunde v. J. 1167, in welcher der Abt 
Hugo den Hergang der durch den Papst Alexander III. ausgeführten 
Weihe beschreibt, nennt die Kirche "novo schemate reparata, needum 
consecrata", was beiläufig gesagt, auch darauf hindeutet, dass das Lang- 
haus, welches der Abt Morard 1014 gebaut hatte, nicht unverändert
        

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