Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-931832
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Romanischer 
Styl 
in 
Sachsen. 
doch erweitert ü), und bei der durch ihre Sculpturen be- 
rühmten Klosterkirche zu Wechselburg, gegründet 1174, 
zeigt sich die Neigung, eine Abwechselung in die einför- 
mige Wiederholung der Pfeiler zu bringen, in verschiedener 
Weise. In Königslutter sind die Pfeiler ohne Eckverzie- 
rung, aber ihre Gesimse Wechseln, indem sie, an den ge- 
genüberliegenden Pfeilern gleich, bald die einfache Form 
eines dorischen Echinus, bald eine reichere erhalten haben. 
In Wechselburg dagegen sind die Ecken eingekerbt, bald 
mit blossen Auskehlungen, bald mit Säulchen und zwar 
in der Art wechselnd, dass die gegenüberliegenden ungleich 
sind, und die diagonal entgegengestellten Pfeiler der ande- 
ren Reihe einander gleichen im]. Man sieht daher hier den- 
selben rhythmischen Gedanken, der dem WVechsel von 
Pfeilern und Säulen zum Grunde liegt, in anderer, zarterer 
1') Kaiser Lothafs Urkunde vom J. 1135, auf welche sich die 
Annahme eines Neubaues stützt (Fiorillo, a. a. O. I. 84), bekundet 
nichts über den Bau, sondern enthält nur die Aufhebung des früher 
daselbst bestandenen Nonnenstiftes, und die Verlegung von Mönchen 
in dieses Kloster. Indessen ist Lothar hier und zwar im Schitfe der 
Kirche beigesetzt, und die Vermuthung, dass er für die Verschönerung 
des Orts gesorgt, ist daher wohlbegründet. Wahrscheinlich stammt 
wenigstens der reiche und malerische, wegen der Mannigfaltigkeit der 
Säulenstänime und Kapitäle berühmte Kreuzgang, der Chor und der 
westliche Thurmbau mit seiner mächtigen Treppe aus dieser Zeit. Das 
Aeussere der Chornische ist reich und geschmackvoll. In den Bögen 
des Rundbogenfrieses ist die Darstellung einer Jagd mit komischen 
Episoden, unter anderem die Hasen auf dem Jäger liegend, wahrschein- 
lich gleichzeitig, dagegen die Inschrift, welche in verkehrt geschriebe- 
nen Buchstaben die Worte enthält: 0 opus eximium     vario cela- 
mine mirum, wahrscheinlich ein späterer Zusatz, sogar vielleicht bloss 
ein mönchischer Scherz. Ich führe dies an, weil man diese Inschrift 
für unlesbar gehalten und ihr desshalb eine geheimnissvolle Bedeutung 
und frühe Entstehung zugeschrieben hat.  Vgl. nähere Angaben über 
Grösse und Geschichte der Kirche im Organ für christliche Kunst 1853, 
S. 101, und im D. Kunstblatt 1850, S. 157. 
er) Vgl. die Beschreibung der K. zu Kloster Zschillen oder 
Wechselburg bei Puttrich a. a. O. Th. I. Abth. 1.
        

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