Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-931572
48 
Erste 
Epoche. 
von allen Schwierigkeiten, auf die Darlegung des Gedan- 
kens auszugehen. Und dies gelingt ihnen dann oft in einer 
Weise, die auch für uns ergreifend ist. Ungeachtet der 
unvollkomlnenen Zeichnung, der eckigen und übertriebenen 
Bewegungen verstehen wir die Innigkeit der Empfindung, 
die Tiefe der Demuth, denErnst des Sinnes, die Ehrfurcht 
vor den heiligen Gestalten, welche den Künstler beseelte, 
und werden gerade bei der Einfachheit seiner künstlerischen 
Mittel davon ergriffen. Wir erkennen schon in diesen er- 
sten Ailfängen der neueren Kunst die Richtung auf das 
Uebersinnliche, welche mehr den Seelenausdruck als die 
Körperschönheit sucht; wir finden darin den Ausdruck be-. 
scheidener 
Treue 
und 
jener 
christlichen 
Demuth, 
welche 
die 
höchsten Dinge nur im Gegensatze gegen die eigene Nie- 
drigkeit auffassen kann. Und selbst das Unschöxle hat 
darin einen Werth und eine Bedeutung, dass es charakte- 
ristisch das VVesen jener Zeit vergegenwärtigt. Wir sehen 
die Verwirrung der Verhältnisse, den Kampf zwischen der 
strengen Regel und der ungebändigten Rohheit. Wir sehen 
den geängsteten Klosterbruder mit seinen stets hervortre- 
tenden Gelüsten, seinen Zweifeln und seiner aseetischen 
Uebung. Wir sehen aber 
die kindliche Naivetät, die 
auch die 
gläublge 
N aturkraft 
Festigkeit 
und Fülle, 
einer ein- 
fachen 
Zeit. 
Wir 
fühlen 
eine 
innere 
Wahrheit 
auch 
WO unser verwöhntes Schönheitsgefühl auf den ersten Blick 
beleidigt wird. Wahrhaft bedeutend werden endlich diese 
ernsten und schlichten Bildwerke oft , WO sie mit der Ar- 
chitektur 
als 
der 
letzte 
individuelle 
Aus- 
druck 
ihrer 
'l'endenz 
erscheinen, 
und 
mit 
ihr 
die 
feierlich 
fronnne 
Stimmung 
und 
Ernst 
den 
kirchlichen 
Gefühls 
theilen. 
Wir erkennen dann in diesen mangelhaften Erzeugnissen 
schon die Keime des Grossen und Herrlichen, das sich 
Laufe 
der 
Jahrhunderte 
HUS 
ihnen 
entwickeln 
sollte.
        

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