Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-931569
vVürdigllng 
ihrer 
Kunstleistuugen. 
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dualität der einzelnen Theile. Beide sind untrennbar; ohne 
die ruhige Einfachheit der Grundformen würde diese Man- 
nigfaltigkeit vervtrirrend wirken, ohne sie jene Einfachheit 
leer und monoton erscheinen. In ihrer Verbindung geben 
sie dagegen das Bild einer grossartigen, aber auf Freiheit 
gegründeten Einheit, einer strengen gesetzlichen Ordnung, 
der sich der Blinzelne (lemüthig, aber nicht knechtisch und 
mit VViderstreben, sondern freiwillig imterordnet, ihr mit 
allem Aufkvande seiner individuellen Kraft dient; das Bild 
einer Zeit, in welcher sich die vorherrschende Frömmig- 
keit sowohl in der Unterordnung unter die Tradition, als 
in den Regungen des eigenen Gefühls zeigte. 
Die darstellenden Künste konnten nicht gleichen Schritt 
mit der Architektur halten. Auch in ihnen sehen wir den 
Kampf zwischen der überlieferten Form und den unabweis- 
baren Anforderungen des Gefühls. Aber das Gefühl War 
auf diesem Gebiete noch nicht so sicher; das germanische 
Princip der subjektiven Individualität war in allgemeiner 
und kirchlicher Beziehung eher verstanden und gewürdigt, 
als in Beziehung auf das Leben. Indessen begann doch 
auch hier ein Fortschritt, theils durch die günstige Ein- 
wirkung der Architektur, Welche den Sinn für Gleiclnnaass, 
Regel und Ordnung stärkte, die Nachahmung des Antiken 
entbehrlicher machte und ein eigenes Gesetz ausbildete, 
dessen Anwendung auf die bildenden Künste wenigstens 
geahnet werden konnte, theils durch die unmittelbare Ein- 
wirkung der immer lnäftiger werdenden höheren Ideen, 
welche das Zeitalter belebten. Und da waren denn auch 
hier für diese ersten Aeusserungen des neuen Sinnes die 
Mängel der künstlerischen Schule eher vortheilhaft, als 
nachtheilig. Die Unkenntniss und Sorglosigkeit in Bezie- 
hung auf ilaturgenlässe Richtigkeit und auf Schönheit der 
Delails gestaüeten den Künstlern geradezu und ilnbehindert
        

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