Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-931536
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Erste 
Epoche. 
vollständige ikusführung des Ornamentistischen und endlich 
die oft missverstandene Nachahmung antiker Glieder. Al- 
lein man darf diese Mängel doch nicht mit allzustrengeil 
Augen betrachten; gerade sie verhinderten, dass das fremde 
System erdrückend wurde, gaben die Möglichkeit, aus ihm 
etwas Neues zu erzeugen; sie entstanden zum Theil da- 
durch, dass das schlichte, unbestochene Gefühl sich bei 
diesem Systeme nicht beruhigen konnte. Die römische Ar- 
chitektur entspricht ganz dem Gedanken des Imperatoren- 
reiches, sie fordert Gleichheit und Einheit der 'l'heile, sie 
inrponirt durch die gleichförmige Durchführung derselben 
Form an gewaltigen, IIIHSSBHIIHHGI] Konstruktionen, sie er- 
innert an die Haltung der Legionen, die (lurch die Macht 
der Disciplin zu einem Ganzen verschmolzen sind, in denen 
der Einzelne an sich nichts, nur als Werkzeug des Befehls 
ein nützliches Glied des Ganzen ist. Diese Idee und ihr 
architektonischer Ausdruck hatten auch jetzt ihre Bedeutung 
nicht verloren, der zügellosen Freiheit musste das abstrakte 
Gesetz, der Verwilderung das Bild geregelter Einheit vor- 
gehalten Werden. Aber ganz unbedingt konnte man sich 
(iieser römischen Norm nicht untelwerfen, (las Christenthum 
und der germanische Geist verlangten freie Geltung des 
Individuellen, eigene Ueberzeuguilg, den Ausdruck persön- 
lichen Gefühls, und dies Gesetz der Freiheit war so tief 
in den Gemüthern begründet, dass es auch die unwillkür- 
lichen Handgriffe des schlichten Arbeiters leitete; Manche 
Abweichungen von der antiken VVeise, manche scheinbaren 
[lnregelmässigkeiten sind daher nicht Fehler, sondern schon, 
wenn auch noch sehr unvollkommene Aeusserilngen dieses 
Fundamente höchst schwach und in unhaltbarer Weise angelegt, dass 
in den Mauern oft Holzstücke zur Verbindung angebracht waren, welche 
durch ihr Verfaulen nothwendig Lücken hervorbringen und die Dauer- 
haftigkeit gefährden mussten, u. dgl. Die Ungenauigkeit der Maasse 
kann fast an allen Gebäuden dieser Epoche wahrgenommen werden.
        

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