Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936985
Schlussbetraclmtung. 
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germanische Element vorherrscht. Das übrige Italien und 
das südliche Frankreich, Burgund und Aquitanien mit dazu 
gerechnet, bilden eine zweite Gruppe, freilich eine in sich 
weniger einige; aber im Gegensatze gegen jene sind sie 
doch dadurch vereint, dass sie sich enger an die Antike 
anschliessen und mehr oder weniger aus derselben beibe- 
halten. England, obgleich schon jetzt seine insulare Ei- 
genthümlichkeit bewüihrend, steht doch jener ersten Gruppe 
näher. Und so sehen wir denn in diesen beiden Gruppen 
die Elemente, deren Verschmelzung die Aufgabe der gan- 
zen Epoche war, das traditionelle, antike, und das neue, 
germanische, einigermaassen gesondert, das eine hier, das 
andere dort vorwaltend. Aber beide sind doch überall vor- 
handen; auch in mehr römischen Gegenden regt sich der 
neue Geist und giebt den hergebrachten Formen eine an- 
dere Bedeutung, auch in den mehr germanischen ist eine 
Beziehung auf die altchristliche Basilika, auf römische De- 
tails. Und wie diese beiden Elemente überall vorhanden 
sind, so haben auch beide überall dieselbe Stellung. Der 
germanische Geist ist überall die bewegende Kraft, die 
antike Form der Stoff, in welchem sie arbeitet. Beide 
Gruppen unterscheiden sich dadurch, dass in der einen ein 
grösserer Reichthum dieses Stoffes, in der anderen bei re- 
lativer Stoffarmuth ein Verwalten der bildenden Kraft ist. 
Die einzelnen Schulen stehen daher nicht zufällig und un- 
verbunden neben einander, sie sind Arten derselben Gattung, 
und ihre Mannigfaltigkeit ist keine andere als die, Welche 
sich in den Erzeugnissen der Natur zeigt, imd ebensowenig 
regellos wie diese. 
Dies gestattet uns denn auch das innere Gesetz zu er- 
kennen, welches diese Mannigfaltigkeit erzeugte, und ihr 
eine tiefere Bedeuhmg giebt. Es liegt eben in dem Ver- 
hältnisse des traditionellen Elementes zu dem nationalen.
        

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