Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-931488
Die 
Zwecke 
der 
Kunst. 
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allerdings auch zu Nutzanwenduirgen gebraucht werden, 
aber ein solcher Gebrauch ist ihrem Wesen feindlich, zer- 
stört gerade die innere Freiheit ihrer Eiltfaltung. Und doch 
brachte es die Noth der Tage und die lehrhafte Stellung 
der Geistlichen mit sich, dass sie nach unmittelbaren Wir- 
kungen strebten. Sie mussten gewissermaasseil ihre Kunst- 
übnng dadurch rechtfertigen, dass sie sie als nützlich be- 
trachteten. Das konnte in mehrfacher Weise geschehen. 
Der allgemeinste, künstlerischer Auffassung nächste Zweck 
war der unbestimmtere, durch ernste, strenge Haltung und 
VVürde die Beschauer feierlich zu stimmen, rohe, sinnliche 
Gefühle aus ihrer Brust zu verdrängen, sie zur 'l'heilnahme 
am Kirchendienste vorzubereiten. Dieser Zweck war ohne 
Zweifel auch der vorherrschende, aus ihm gingen die höch- 
sten Leistungen der Zeit hervor , die meisten Kunstwerke 
verrathen ihn. Sie dienen nur der Architektur, verstärken 
die Stimmung, welche diese hervorbringen sollte. Dies 
wird indessen nirgends von den gleichzeitigen Schriftstellern 
ausgesprochen; es verstand sich für feinere Gemüther von 
selbst, lag aber nicht in den) bewussten Zwecke der Zeit. 
Daher genügte es auch der grossen Zahl gemeiner Prak- 
tiker unter den Geistlichen noch nicht, sie wollten noch eine 
andere, handgreifiichere Nützlichkeit. Ihnen musste es wich- 
tig scheinen, die rohe, stumpfe Masse zu bewegen, den 
Mängeln abzuhelfen, mit denen der Beichtvater und der 
Lehrer täglich zu kämpfen hatte. Daher finden wir es denn 
häufig ausgesprochen, dass das Bild auf die Unwissen- 
den wirken, die Schrift bei denjenigen, die sie nicht lesen 
konnten, ersetzen, ihnen die heiligen Hergänge versinnlichen 
solle. Dieser Zweck War bei einem rohen, aber gläubigen 
Volke leicht erreicht, und es wird oft gerühmt, dass die 
Einfältigeil, welche dem Worte und der Ermahnung unzu- 
gänglich gewesen Waren, durch die Bilder tief, zu Thrä-
        

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