Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936953
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Byzantinische 
Anklänge. 
sich 
Zll 
höherer 
Freiheit 
ausbildeten 
und 
dadurch 
sich 
VOD. 
dem byzantinischen entfernten, entwickelte sich bei jenen 
immer mehr ein Styl, der in seinen langgedehnten Gestal- 
ten, in der Häufung der Falten, in der sauberen aber klein- 
lichen Verzierung der Gewänder wiederum stärker dorthin 
neigte und sich so bis in die zweite Hälfte des zwölften 
Jahrhunderts erhielt. Allein dennoch dürfen wir hier, zumal 
da die architektonische Plastik den Byzantinern völlig fehlte, 
keinesweges eine neue Einwirkung vom Oriente aus, son- 
dern nur eine specifische Aeusserung des architektonischen 
Formgefühls dieser Gegenden, verbunden mit einem Nach- 
klange des früheren Miniaturenstyls, annehmen. Ueberall 
verlor sich also jenes byzantinische Element mit der Aus- 
bildung des architektonischen Sinnes, verschmolz mit dem- 
selben, verschwand ebenso unbemerkt, wie es sich einge- 
schlichen hatte. Wir sehen daher, dass es nur eine Ue- 
bergangsstufe bildete, ein Hülfsmittel, dessen der einhei- 
mische Geist sich bediente, weil es ihm entsprach, weil 
er durch dasselbe feigene, grössere Arbeit ersparte, das 
ihn in seiner Entwickelung nicht hemmte, sondern förderte, 
das er fallen liess, Isobald seine Kräfte soweit gestärkt 
waren, um es zu entbehren. Es vertrat die Stelle, welche 
bei völlig naturgemässer Entwickelung der Kunst die ar- 
chitektonische Regel allein einnimmt, war nur ein Surrogat 
für dieselbe, bis dahin, dass sie hinlänglich gereift war, 
um die anderen Künste zu leiten. Dass man einer solchen 
Entlehnung bedurfte, dass sie sich eine Zeitlang erhalten 
konnte, hängt damit zusammen, dass die Kunstübung im 
Mittelalter eben ilicht ein freies Product des Nationalge- 
fühls, sondern ein traditionelles Bedürfniss der Kirche war, 
dass sie daher auch schon vor dem Zeitpunkte ihrer na- 
türlichen Entwickelung statt finden musste, und sich nur 
durch fremde Hülfe erhalten konnte. Daher fand denn auch
        

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