Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936941
Ihre 
Ursachen. 
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die strenge, starre Form gerade zusagend; sie fanden darin 
einen Ausdruck, der ihrem eigenen ascetischen Streben 
entsprach, und an den das Volk zu gewöhnen sie für 
nützlich halten mochten. Der byzantinische Styl hatte mit 
einem Worte eine Verwandtschaft mit der strengen kirch- 
lichen Richtung des elften Jahrhunderts. Daher fand er 
in Italien Eingang, als die hildebrandinische Reaction gegen 
das bisherige laxe Wesen siegte, daher kam er in Deutsch- 
land, wo diese Strenge schon früher herrschte, seit den 
Zeiten Heinrich's II. in Aufnahme. Von hier aus ver- 
breitete er sich dann, durch die Verbindung der Mönchs- 
erden und vermöge des höheren Ansehens der deutschen 
Klosterschulen, über die anderen abendländischen Gegenden. 
Aus diesem Zusammenhange erklärt sich denn auch 
das Uebrige. Der byzantinische Styl fand nur soweit Ein- 
gang, als jenes Bedürfniss und jene Vorbilder es beding- 
ten. In Werken von höherer Bedeutung und grösserer 
Dimension, für welche die transportabeln byzantinischen 
Arbeiten, die man allein kannte, kein Vorbild gaben, und 
bei denen sich das eigene Gefühl mächtig regte, fand er 
überall keinen) Eingang. Hier herrschte vielmehr, da Werke 
dieser Art meistens mit Gebäuden zusammenhingen, das 
architektonische Element, welches allerdings in seiner stren- 
gen Anwendung auf die Form des Lebens einigermaassen 
ähnliche, aber doch sehr verschiedene Wirkungen wie jene 
byzantinisirende Regelung hervorbrachte. In den Sculpturen 
der Michaeliskirche zu Hildesheim und an dem Belief des 
Egstersteines sind daher keine, oder doch nur höchst 
schwache Anklänge an byzantinische Weise zu entdecken. 
Je mehr sich die Architektur und mit iln das eigene Form- 
gefühl hob, desto mehr verschwanden jene Einflüsse. Aller- 
dings gilt dies von den französischen Sculptnren nicht in 
demselben Grade wie von den deutschen; während diese
        

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