Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936934
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Byzantinische 
Anklänge. 
tiken Kunst entstandenen Werken fast gänzlich fehlte, da 
man hier zwischen Römischem und Byzantinischem nicht 
unterschied und die geringen Ueberreste antiken Sinnes, 
die in beiden übrig waren, für gleichbedeutend hielt, so 
ist es begreiflich, dass man die Vorbilder, deren man hab- 
haft werden konnte, ohne sorgfältige Kritik ilachahmte. Dies 
konnten aber, da Italien in diesem Jahrhundert fast nichts 
producirte, nur byzantinische Arbeiten kleinerer Art sein, 
die man daher als die Ueberliefemng des Richtigen betrach- 
tete und benutzte. Hiedurch erklärt es sich auch, dass die 
mannigfachen und zum 'l'heil ziemlich ausführlichen Be- 
richte der Chronisten über die künstlerische Wirksamkeit 
der Bischöfe und Achte oder über die Einrichtung der 
Klosterschulen niemals der byzantinischen Hülfsmittel ge- 
denken; man sah in ihnen nichts Abweichendes von der 
sonstigen 'l'endenz aller Studien. Dazu kam dann aber 
noch ein anderer bestimmender Umstand. Die vorherr- 
schende Richtung dieser klösterlichen Civilisation ging da- 
hin, Ordnung und Regel an die Stelle der Verwilderung 
und Gedankenlosigkeit zu bringen. Diese Eigenschaften 
fand man nun in den byzantinischen Arbeiten in abstracter 
und erstarrter, aber eben deshalb leicht zu erkennender 
und nachzuahmender Weise, verbunden mit einer elegan- 
ten, sauberen Technik. Selbst die Schwächen dieser Ar- 
beiten, der leichenhafte Farbenton, die steif geordnete Ge- 
wandung, der Ausdruck der Unfreiheit, hatten für die Leh- 
rer der Klosterschulen nichts Abstossendes. Die Völker 
waren zwar höchst verschieden; das von Byzanz in orien- 
talischer Knechtschaft erschlafft, in jeder Beziehung ver- 
fallen, die abendländischen Nationen roh, aber kräftig und 
freiheitsliebend. Aber die Völker machten die Kunst noch 
nicht, sie war im Abendlande wie im griechischen Reiche 
ganz in den Händen der Klostergeistliehen, und diesen war
        

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