Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936919
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Byzantinische 
Anklänge 
Einfluss des byzantinischen auf den romanischen Styl überall 
nicht vorhanden. 
Anders 
hier haben 
verhält es sich mit der Plastik und 
unverkennbar zu verschiedenen Zeiten 
Malerei, 
Einwir- 
kungeu der byzantinischen Technik und Anschauungsweise 
statt gefunden. Am sichersten können wir sie in Italien 
nachweisen, wo man, wie wir im vorhergehenden Kapitel 
gesehen haben, in der zweiten Hälfte des elften Jahrhun- 
derts mit vollem Bewusstsein der eigenen Unfähigkeit by- 
zantinische Künstler herbeirief und Kunstwerke in Byzanz 
bestellte. Hiedurch und durch weitere Nachahmung dieser 
Arbeiten kam dann dort ein byvzantinisirender Styl auf, 
welcher sich, vielleicht auch noch späterhin durch weitere 
Verbindung mit Byzanz genährt, bis ins dreizehnte Jahr- 
hundert erhielt, der aber keine Rückwirkung auf die übri- 
gen Länder ausübte, da diese inzwischen schon weiter 
fortgeschritten waren und die Ausbildung eines eigenen 
Styls begonnen hatten. Dagegen steht die merkwürdige 
Thatsache fest, dass in Deutschland schon früher, im An- 
fange des elfteu Jahrhunderts, wenigstens gewisse Kunst- 
zweige, Miniaturmalerei, Elfenbeinsculptur, Metallarbeit, 
byzantinischen Charakter und byzantinische Technik an- 
nahmen, ohne dass urkundliche Nachrichten oder erkennbare 
Vcranlassungen diesen Hergang erklären. Wir haben schon 
gesehen, dass die Ableitung dieses Einflusses von der An- 
wesenheit der Kaiserin 'l'heophanu nicht haltbar und ein 
persönlicher künstlerischer Verkehr mit Byzanz nicht denk- 
bar ist. Es bleibt daher nur die Annahme übrig, dass 
byzantinische Werke, die durch den Ilandel oder als Ge- 
schenke in die deutschen Klöster gelangten ü), als Vor- 
1) Am häufigsten mag dies in den südöstlichen Gegenden Deutsch- 
lands geschehen sein. S0 schenkte namentlich König Wratislav von 
Böhmen dem Kloster Göttweih ein plastisches Altarwerk von grie-
        

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