Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936896
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Byzantinischer 
Einfluss 
bauten, die auch in den ihnen unterworfenen nördlichen 
Ländern vorkamen, so dass diese Vorbilder schon aus- 
reichten, um die Architekten des Mittelalters darauf hinzu- 
leiten. Ueberdies sind diese Kuppeln unserer Länder von 
den byzantinischen Wesentlich verschieden. Die byzanti- 
nische Kuppel besteht aus einer Halbkugel, die auf einem 
Gesimse ruht, welches in den Ecken durch besondere Ku- 
gelausschnitte gestützt wird. Die nordische Kuppel ist ein 
meist achttheiliges Kreuzgewölbe. Diese hat eine verticale, 
jene horizontale Anordnung. Will man aber die Rund- 
bauten und Kuppeln der Römer, vom Pantheon des Agrippa 
an, im Gegensatz gegen den reinen griechischen Archi- 
travbau, aus einer durch die Ausdehnung des römischen 
Reiches herbeigeführten Einwirkung des Orients auf den 
abendländischen Geist erklären, was in gewissem Sinne 
zuzugeben ist, so ist dies doch kein Einfluss des eigent- 
lich byzantinischen, erst seit den Zeiten Justinians entstan- 
denen Styles, und darf daher ohne eine Verwirrung der 
Frage nicht hierhergezogen werden. Wenn dann auch 
wirklich noch andere einzelne Gebäude aufgezeigt werden 
können, deren Grundplan an byzantinische Bauten erin- 
nert r), wenn auch endlich in anderen Fällen aus einer 
frommen oder eiteln Rücksicht eine Erinnerung an die 
Kirche des heiligen Grabes in Jerusalem M], oder an die 
i) Z. B. die, aber noch aus karolingischer IZeit stammende Abtei- 
kirche Germigny-les-Pres im Loiret, von der oben S. 324 bereits ge- 
sprochen ist. 
H") Vita b. Meinwerci, cap. 70, bei Leibnitz Scr. R. Brunsvic. I, 
p. 562: "Meinwercus ecclesiam ad similitudinem sanctae Hierosolymi- 
tanae ecclesiae facere disponens, Winonem  Hierosolymam mittens, 
mensuras ejusdem eeclesiae et sancti sepulchri deferri sibi mandavit." 
Eine allgemeine, durch die Maassverhältnisse begründete Aehnlichkeit 
genügte dem frommen Zwecke, auf künstlerische Formen kam es dabei 
nicht an. Rücksichts der Tempelritter scheint es in der That, dass sie, 
um ihren Charakter als Wächter des heiligen Grabes zu bezeichnen,
        

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