Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-931476
38 
Erste 
Epoche. 
geschäftigkeit mit dem künstlerischen Beruf nicht Wohl 
vereinbar War. Wenn auch, wie man voraussetzen darf, 
diese hochgestellten, vielfach in Anspruch genommenen 
Männer die Ausführung nicht mehr selbst übernahmen, so 
gaben sie doch den Ton an, und ihre übrige 'l'hätigkeit 
wirkte auf die Kunst zurück. Man hat wohl die Mängel 
dieser Kunstepoehe der klösterlichen Abgezogenheit und 
Unkenntniss der Mönche, welche sie übten, zugeschrieben; 
in gewissem Sinne verhielt es sich aber gerade umgekehrt, 
die Kunst stand vielmehr mit dem praktischen Leben in 
allzu grosser, nicht wünschenswerther Verbindung. Der 
Staatsmann, der Priester und überhaupt jeder, der praktisch 
wirkt, muss im Drange der Umstände mit dem Erreich- 
baren zufrieden sein, kleine Uebel wegen grösserei" V or- 
theile übersehen, er darf nicht nach dem Höchsten, dem 
V ollendeten streben, nicht mit weichherziger Vorliebe am 
Blinzelneil hängen. Seine Hand, an den Kampf mit harten 
Stoffen gewöhnt, wird nothwendig das zarte Gefühl für 
die feineren Schönheiten verlieren. Mit Recht und instinkt- 
mässig pflegen sich ilaher auch die Künstler von allzu- 
grosser, praktischer 'l'hätigkeit, von dem Kampfe mit der 
Noth des Lebens fern zu halten. Diese Vermischung; so 
heterogener Thätigkeiten wirkte aber besonders naehtheilig 
in Beziehung auf die darstellenden Künste. Der Architektur 
stand sie weniger im Wege, weil diese Kunst selbst von 
der Nützlichkeit ausgeht, weil sie, wie die Leitung der 
öffentlichen Angelegenheiten, verwaltenden Verstandes be- 
darf und ihre geistige Aufgabe in der Darstellung allge- 
meiner Verhältnisse hat, in deren WVürdigung der Blick 
des klugen W eltmannes geübt wird, weil endlich das De- 
tail ihrer Formen keine praktische Anwendung duldet. Die 
darstellenden Künste dagegen, weil sie allgemein verständ- 
liche Gestalten mit moralischen Beziehungen geben, können
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.