Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936723
Toscana. 
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Gestalt, deren Theile und Bewegung sie nothdürftig be- 
zeichnen. Etwas besser, doch immer noch sehr steif und 
unbedeutend, sind die Reliefs desselben Meisters über der 
Thüre von S. Salvatore (jetzt S. Caritä) in Lucca, die 
Legende des heiligen Nikolaus (larstellend  Auch die 
Reliefs einer aus der abgetragenen Kirche S. Piero Sche- 
raggio in Florenz nach der vorstädtischen Kirche S. Leo- 
nardo daselbst gebrachten Kanzel sind noch sehr roh, aber 
sie zeugen von Gedanken und Empfindung und übertreffen 
im Stylgefühl jene lombardischen Sculpturen. Sie werden 
daher jedenfalls erst am Ende dieser Epoche entstanden 
sein die]. Wir sehen daher um diese Zeit die Plastik noch 
auf einer sehr niederen Stufe. 
Arbeiten in Erz sind hier seltener. Das einzige, mit 
Sicherheit dieser Epoche angehörige Werk in Toscana ist 
eine Thüre am Kreuzschiffe des Domes zu Pis a, vielleicht 
vom Anfange des zwölften Jahrhunderts. Zeichnung und 
Auffassung sind hier zwar nicht so hässlich und wild, wie 
an der oben erwähnten Thüre von S. Zeno in Verona, aber 
8] Förster S. 8 und Rumohr I, 261. Jener deutet das eine Re- 
lief auf die Parabel von der Hochzeit des Königssohnes, was ich be- 
zweilie, da ich keine Darstellung dieser Parabel im Mittelalter kenne. 
Das Mittelalter war allerdings bereit, Parabeln für Wahrheit und die 
darin vorkommenden Gestalten für historische oder doch überirdisch 
existente zu nehmen, und diese gingen denn auch, wie z. B. die 
klugen und thörigten Jungfrauen, in den künstlerischen Gebrauch über. 
Dagegen habe ich solche Parabeln, welche keine hervorragenden nam- 
haften Gestalten, sondern nur Beziehungen geben, nie dargestellt 
gefunden, was auch begreiflich ist, da sie nicht populär werden konn- 
ten und nicht leicht verständlich wiederzugeben waren. 
 Rumohr I, 252 (der sie ausführlicher beschreibt) will sie dem 
elften Jahrhundert vindiciren, Förster a. a. O. 12 setzt sie in die zweite 
Hälfte des zwölften, und weist eine Aehnlichkeit der von ihm mitge- 
theilten Kreuzabnahme mit der Darstellung desselben Gegenstandes 
durch Nicolo Pisano am Dome zu Luoca nach. Diese Aehnlichkeit 
schliesst aber die frühere Entstehung nicht aus, auf welche die grosse 
Verschiedenheit des künstlerischen Werthes schliessen lässt. 
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