Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936690
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Italienische 
Sculptur. 
unbeholfener, weil ihr die Leitung der architektonischen 
Regel abging, weil ihre Gestalten mit den antikischen Or- 
namenten, die man noch beibehielt, nicht übereinstimmten, 
aber sie wurde auch so von ihren Zeitgenossen verstanden 
und mit Jubel begrüsst. 
Ein deutlicher Beweis für diese schon jetzt beginnende 
Würdigung der Kunst sind die Wortreiehen Inschriften, mit 
denen diese Monumente, in bedeutungsvollem Gegensatze 
gegen das Schweigen der nordischen Kunst , bedeckt 
sind. Ihre Ruhmredigkeit kann uns kindisch vorkommen; 
wir lächeln, wenn die Urheber dieser plumpen, unausge- 
bildeten Gestalten mit Daedalus verglichen im), wenn von 
ihrem allzugrosseil Ruhme gesprochen, wenn verhiessen 
wird, dass die Völker sie durch" alle Jahrhunderte loben 
sollen. VVir dürfen desshalb aber nicht die Anmaassung 
der Künstler anklagen; allerdings liebten diese schon jetzt, 
ihre Namen auf ihren Werken zu verewigen, aber wo sie 
es selbst thaten, auf den Bildern, geschah es in beschei- 
dener Form, etwa um sich der Fürbitte der Beschauer 
oder der Gnade Christi zu empfehlen. Es hing eher mit 
der Selbstzufriedenheit der Vorsteher des Baues zusammen, 
3') Künstlernamen kommen auch in unseren Bauten vor, aber sehr 
selten lobende und auch dann massig gehaltene, wie z. B. im Kloster 
Neuwerk in Goslar, wo die auf dem Spruchzettekeines Engels befind- 
liche, in ihrem vorderen Theile nicht lesbare Inschrift mit den Worten 
schliesst: vide, laudando viro lapicide. 
H) Nicht bloss der Urheber der gewaltig rohen Sculpturen an 
der Porta romana zu Mailand, Anselmus, wird, wie sogleich zu er- 
wähnen, "alter Daedalus" genannt (Millin, Lombardei, d. Uebers. I, 119, 
und v. d. Hagen, Briefe, I, 294), sondern auch Busketus am Dome 
zu Pisa (Cieognara II, 93) mit diesem mythischen Künstler verglichen 
und über ihn gestellt, weil dieser nur in dem dunkelen Labyrinth, 
jener in einem glänzenden Tempel seinen Ruhm habe. Es ist charak- 
teristisch für den schiilerhaften Zustand der Kunstkenntniss und die 
damit verbundene Neigung zu Beziehungen auf das Alterthum, dass 
gerade dieser Name wiederholt gebraucht wurde.
        

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