Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936649
Erste 
Spuren 
besserer 
einheimischer 
Kunst. 
555 
Werkes hat nicht mehr die einfache, altchristliche Würde 
des gegenüberstehenden musivischen Bildes in der Chor- 
nische, die Gestalten und Gesichtszüge sind länglicher, die 
Bewegungen heftiger, die Gewänder schon mehr nach by- 
zantinischen Motiven mit Falten überladen. Indessen scheint 
die Arbeit doch nicht von Griechen gefertigt; jene charak- 
teristisch harte, unverstandene Häufung der Falten, welche 
sich in byzantinischen Bildern dieser Zeit findet, und welche 
die italienische Kunstsprache das 'l'ratteggiat0 nennt, tritt hier 
noch nicht hervor. Die ausführlichen Inschriften sind latei- 
nisch, die Motive frisch und originell, und das Ganze be- 
schäftigt dcn Betrachter und imponirt. 
Ausserhalb Roms und dieser Stelle wüsste ich nichts 
Aehnliches aus dieser Zeit aufzuweisen. Ein musivisches 
Bild an der Facade von S. Frediano in Lucca, das dem 
zwölften Jahrhundert anzugehöreil scheint, ist einfacher, 
freier von den Spuren byzantinischen Einflusses, aber auch 
sehr 
viel 
roher. 
Tafelbilder sind noch seltener. Das einzige sicher 
datirte aus dieser Zeit ist ein Crucilix mit Momenten 
aus der Passionsgeschichte in kleinen Bildern am Stamme 
des Kreuzes im Dome von Snrzana, dessen unverdächtige 
Inschrift den Namen des Malers Guillelmus und die Jahres- 
zahl 1138 enthält Es sind lange Gestalten, hager und 
mit geringer Modellirung, jedoch ohne die speeilische Ge- 
Wandung und Farbenbehandlung der griechischen Schule. 
Ohne Zweifel sind viele Tafelbilder dieser Zeit unterge- 
gangen oder übermalt, indessen kann es auch sein, dass 
gerade in diesem Kunstzweige, dessen byzantinische Ar- 
 Abbildung bei Rosini im Atlas Taf. A. Vgl. den Text Vol. 
II, S. 295. Anno milleno centeno terque deno octavo pinxit Guillel- 
mus et haec metra finxit.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.