Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936592
550 
Italienische 
Plastik 
und 
Malerei. 
hierarchische Schule in der Geistlichkeit, der sich auch in 
den Städten, aus politischen Rücksichten, geltend machte. 
Aber es war doch ein zu äusserliches Mittel, es konnte 
die innere Zerrissenheit und V erwilderung nicht aufheben, 
es berührte nicht einmal die Stelle, wo der Sinn des Volkes 
empfänglich war, Wo er die Sprache der Form verstanden 
hätte. In allen Beziehungen War die Bevölkerung des neu- 
eren Italiens auf die Entwickelung des individuellen Lebens 
hingewiesen. Sie bildete noch keine Nation, sondern nur 
ein Gemisch verschiedener Volksstämme, wo jeder Einzelne 
noch seinen Ursprung fühlte, jeder seine Zwecke verfolgte, 
Wo die Leichtigkeit des Lebens und die Gunst des milden 
Himmels die körperlichen und geistigen Kräfte schnell reifte, 
wo die Ueberreste antiker Civilisation, so schwach sie sein 
mochten, zu verständiger, kalter Auffassung hinleiteten, 
während der Reiz zum Genusse zu stark war, um eine 
grosse Begeisterung für Uebersinnlichcs aufkommen zu 
lassen. Im städtischen Leben, im Handel und Gewerbe, 
in dem Ringen nach persönlicher Freiheit und Macht zeigte 
sich die Kraft des Volkes, auf eine Regelung der welt- 
lichen Verhältnisse war es gerichtet. S0 lange dies prak- 
tische Bestreben noch so weit von seinem Ziele war, konnte 
der Sinn für feinere Genüsse sich nicht regen. Eine Kunst, 
Welche Lebensfülle, Kraft und Anmuth ausgedrückt, welche 
das Gefühl von dieser Seite berührt hätte, würde dennoch 
vielleicht schon jetzt Anklang gefunden haben, Wie sie sie 
in der That etwa hundert Jahre später fand; für die 
starre Würde, die hagere Zierlichkeit der byzantinischen 
Formen konnte man sich nicht erwärmen, sie nicht einmal, 
wenn sie durch technische oder kirchliche Riiksichten Ein- 
gang fanden, recht verstehen. "Unwillkürlich traten daher 
neben ihnen derbe oder naive Züge in störender und un- 
harmonischer Verbindung hervor, oder es regte sich sogar
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.