Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936540
Abt 
Desiderius 
Zll 
Monte 
Cassino. 
545 
man also die grössere Meisterschaft der Griechen, während 
die Sculptur, wie es scheint, mehr lateinischen Händen 
überlassen blieb. Ueberhaupt War der Unterschied griechi- 
scher und einheimischer Kunst eine offen zugestandene 
Sache; als Desiderius später auch dem Kloster einen künst- 
lich ausgelegten Fussboden giebt, wird dieser von Leo aus- 
drücklich als ein byzantinisches Kunstwerk bezeichnet 
Die Arbeit jener Griechen in Montecassino imponirte den 
Italienern; Leo ergeht sich in ausführlichem Lobe der M0- 
saiken, in denen man die Thiere belebt, alles frisch und 
grünend, in dem vielfarbigen Marmor Blumen in der lieb- 
lichen Mannigfaltigkeit des Frühlings zu sehen glaube. 
Nicht bloss ihm ging es so , die Pracht der neu erbauten 
Kirche wurde Weithin berühmt, so dass bei der Einwei- 
hung im Jahre 1071 ein grosser Zulauf des Volks statt 
fand, nicht bloss um den "verehrten Abt, sondern auch, 
Wie Leo ausdrücklich hinzufügt, um den berühmten Tempel 
zu sehen. Auch die fromme Kaiserin Agnes, die Wittwe 
Ileinriclfs III., die damals in Italien lebte, kam dahin um 
das Kloster zu besuchen. 
Desiderius legte, wie Leo ferner erzählt, eine förmliche 
Kunstschule an; er liess die Novizen nicht bloss in jener 
musivischen Kunst unterrichten, sondern bereitete sich auch 
tus frater apud Constantinopolin crasso argento sculpsit ac deauravit, 
rotundas vero omnes coluribus ac üguris depingi graeea peritia fecit. 
4') Claustrum lapideis pavimentis byzantei artificii stravit a. a. O. 
In der Chronik des Klosters 1a Oava bei Neapel wird, ohne dabei der 
Anwesenheit griechischer Künstler zu erwähnen, der musivische Fuss- 
boden nur opus graecanieum genannt, und Cicognora (II, 48) will 
diesen Ausdruck, da schon Plinius (H. N. Lib. 36, c. 25) von pavi- 
mentum graecanieum spreche, nur als eine Bezeichnung der Gattung, 
aus welcher nicht auf byzantinische Künstler geschlossen werden könne, 
erklären. Allein bei dem Vorgange von Montecassino ist jedenfalls 
nicht daran zu denken, dass nur diese Reminiscenz den Chronisten zu 
einem zweideutigen Ausdrucke verleitet habe. 
IV. 2. 35
        

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