Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936484
Die 
Thüren 
voll 
Zeno. 
539 
form und Unschönheit gegeben; man würde glauben, Fratzen 
zu sehen, mit denen rohe Knaben spielen, oder Götzen- 
bilder irgend eines barbarischen Volkes vom Nordpol, 
wenn wir nicht die bekannten heiligen Gegenstände heraus- 
verständen. Auch die Annahme, dass der Bildner durch 
dieses Uebermaass des Hässlichen, durch die missgestalte- 
ten, zwerghaften Körper, die gewaltigen Köpfe, den weit- 
geöffneten Mund, die glotzenden Augen Schrecken erregen 
wollte, reicht zur Erklärung nicht aus, da auch die ehr- 
würdigsten Gestalten und die anmuthigsten Momente eben 
so behandelt sind. Allerdings ist die Technik, in welcher 
die Arbeit ausgeführt ist, eine schwierige, die auch in 
besseren Zeiten oft misslingt, aber dennoch ist es unbe- 
greiflich, wie ein Mann, dem man solche Arbeit übertrug, 
wie die Besteller, welche sie ihm gaben, so alles Gefühls 
nicht bloss für Schönheit, sondern selbst für Anstand be- 
raubt sein konnten, um diesen Darstellungen, denen jetzt 
ihr Alterthum Entschuldigung und einen Nimbus des Ehr- 
würdigen giebt, den Platz an heiliger Stelle einzuräumen. 
Bei diesem äussersten Mangel an Technik und Ge- 
schmack ist es erklärbar, dass die Werke byzantinischer 
Kruist trotz der Erstarrung, die in ihnen herrschte, sehr 
bedeutend erschienen, und dass Männer von Bildung und 
Gefühl ihre Augen dorthin richteten. VVir sind ziemlich 
genau unterrichtet, Wann dies geschah. 
Die Verbindung Italiens mit Byzanz War auch in künst- 
lerischer Beziehung niemals ganz unterbrochen. Im Exarchat 
Taf. 5 und einige Abbildungen in grösserem Maassstabe bei Chapuy 
moyen age monumental, Nro. 90. Eine Inschrift oder Nachricht über 
die Entstehungszeit der Thüre fehlt gänzlich; vergleicht man sie mit 
dem Sculpturen am Aeusseren der Facade, die aus der ersten Hälfte 
des 12. Jahrhundert herstammen, so wird es sehr wahrscheinlich, dass 
die Thüre dem 11. Jahrhundert angehört.
        

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