Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-931434
34 
Erste 
Epoche. 
in den Gebieten entwickelte, in welchen die allgemeineren 
Verhältnisse sich spiegeln. 
Dies ist, wie wir schon Wissen, eine gemeinsame Er- 
scheinung in allen primitiven Epochen. Die Völker begin- 
nen stets ihr geistiges Leben durch die Ahnung höherer 
allgemeiner Ursachen; sie nehmen die ihnen durch die Tra- 
dition oder durch einzelne Seher gebotenen Symbole mit 
ehrfurchtsvoller Begierde auf llll(l unterwerfen sich der da- 
durch gebildeten Religion mit rüeksichtslosem Eifer. Die 
Ansprüche des individuellen Gefühls, die Aeusserungen des 
individuellen Gedankens sind noch unbedeutend. Ein prie- 
sterlicher Charakter prägt sich daher in ihren Gesetzen, in 
ihren Sitten und in ihrer Kunst aus. Gleiche [Trsachen 
bringen gleiche Wirkungen hervor; es kann (laher nicht 
überraschen, dass wir , so gross die Verschiedenheit zwi- 
schen hellenischer und christlicher Religion war, in der 
Kunst (lieser Zeit Zügc finden , welche lebhaft. an den hie- 
ratischen Styl der Griechen erinnern. Die Architektur ist 
daher auch hier die vorherrschende Kunst. Die Bildwerke 
stehen unter ihrem Einflusse, sind mathematisch geregelt; 
die Ziige des Lebens treten in ihnen bald roh, bald mit 
feierlicher Zierlichkeit auf, das VVirksame und Bedeutende 
in ihnen ist nicht die Frische eines Naturzustandes, son- 
dern der strenge, grossartige Ernst religiöser, durch (prie- 
sterliche Satzung gebrmdener Empfindung. 
In dieser Epoche kam dazu, dass die christliche Prie- 
sterschaft ihren Geist, ihre Anschauungen ilicht, wie in 
Griechenland, aus dem Volksleben, sondern durch eine 
schriftlich oder traditionel lixirtc Lehre erhielt, und dass 
alle 
Kunst 
HUT 
VOII 
der 
Kirche 
und 
besonders 
VOll 
den 
Sitzen grösserer Strenge, von den Klöstern, ausging. Sie 
bildete einen 'l'heil (ler geistlichen 'l'hätigkeit. Man darf 
zwar nicht, wie es häufig geschehen ist, alle die Bischöfe
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.