Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936396
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Sculptur 
und 
Malerei. 
In dem ganzen Verlaufe dieser Entwickelung lag indessen 
im Wesentlichen stets dieselbe Auffassung der darstellen- 
den Künste lllld ihres Verhältnisses zur Natur zum Grunde, 
welche in jenen irischen Miniaturen, nur mit höchster und 
barbarischer Schroffheit, aufgetreten war. Wenn die Kmist 
hier ganz Arabeske wurde und die Gliederung der mensch- 
lichen Gestalt nur als ein Motiv für willkürliche Federzüge 
benutzte, näherte sie sich zwar später mehr der Natur, 
behielt aber dennoch die Arabeske in den Initialen und 
sonstigen Verzierungen als einen wesentlichen Bestandtheil 
der Kunst bei, und behandelte selbst die natürlichen Her- 
gänge mit einer phantastischen, der Arabeske sich annä- 
hernden Freiheit. In der monumentalen Malerei und in der 
Sculptur konnte dies nun nicht in dem Maasse, wie in den 
Miniaturen der Handschriften geschehen, aber auch da blieb 
man in Beziehung auf die Natürlichkeit der Hergänge und 
die Individualität der Gestalten bei der allgemeinsten und 
abstractesten Wahrheit stehen, und schloss sich mehr und 
mehr der Architektur an, bis diese endlich so ausgebildet 
und so sehr die vorherrschende Thätigkeit des Zeitalters 
geworden War, dass ihre Einwirkung sich auch auf die 
Darstellung der Gestalten erstreckte. Das Arabeskenartige 
und das Architektonische sind in der That in dieser Be- 
ziehung nur verschiedene Seiten derselben Auffassungs- 
weise, sie beruhen beide auf dem Ueberwiegen des Styli- 
stischen über das Natürliche, und verhalten sich zu einan- 
der wie das Anmuthige zum Erhabenen. In der Arabeske 
leitet der Styl die Hand bei ihrem phantastischen Spiele zu 
weicheren Formen, als architektonische Regel giebt er eine 
strenge und abstracte Haltung. 
Obgleich von der Missachtung des Mittelalters zurück- 
gekommen, pflegen wir dennoch die Werke dieser Epoche 
noch immer zu sehr von dem Standpunkte antiker Kunst
        

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