Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936354
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Sculptur. 
den 
wir 
hier 
zum 
ersten 
Male 
den 
Namen 
des 
Urhebers 
beigefügt: Gislebertus me fccit, der in einer Inschrift zu- 
gleich ein Zeugniss seines Gefühls ablegt, indem er das 
Bewusstsein von der ernsten, tief ergreifenden Wirkung, 
die seine Arbeit ausüben musste, ausspricht und vielleicht 
sogar ein Bedauern, dass eine so strenge Aufgabe ihm 
geworden, andeutet a1). 
Von der plastischen 'l'hätigkeit endlich, die sich in 
Aquitanien, namentlich im Poitou, entwickelte, habe ich 
schon bei Betrachtung des Architektonischen gesprochen 
und den phantastischen Charakter der Sculpturen, mit denen 
man hier die Facatlen bedeckte, geschildert. Es kann nicht 
befremden, dass diese Provinz, welche in den Schicksalen 
und in der Sinnesweise so Vieles mit den südfranzösischen 
Gegenden gemein hatte, wie diese li-ühe gebildet, gewerb- 
thätig, für feineren Lebensgenuss empfänglich war, und 
gleich anfangs an der provenzalischen Poesie thätigen An- 
theil nahm, auch die Neigung theilte, das Aeussere ihrer 
Gebäude mit bedeutungsvollen Gestalten zu schmücken. 
Allerdings unterschied sich aber diese Plastik von der pro- 
venzalischen in vielen Beziehungen; die Behandlung ist nicht 
so sauber und vollendet, hat Weder die antike Klarheit, 
noch die starre typische Strenge, wie sie dort nebeneinan- 
der bestehen, ist dagegen naturalistisch derber und vor 
Allem im höchsten Grade wild und phantastisch. Wäh- 
rend dort die architektonischen Linien übersichtliche Ein- 
theilunlgen geben, zwischen denen die statuarischeil Ge- 
stalten in bestimmt begränztem Raume stehen, gleicht die 
Plastik hier der dichten Vegetation eines Urwaldes, welche 
4') Vergl. die Inschrift oben S. 40. Eine vortreffliche Abbildung 
in du Somerard Part au moyen age. Album, Serie 3, aus welcher 
das hierneben abgedruckte Fragment (mit Benutzung von Caumonlfs 
Bull. mon. XVI, p. 605) entlehnt ist.
        

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