Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936314
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Sculptur. 
Geldsack gegen die Brust drückt, aber auch schon von 
einem zottigen und gehörnten Teufel gepackt wird, diese 
durch ein nacktes, von Schlangen umwundenes und ge- 
gmartertes Weib. Der Tod des Geizigen lmd wiederum die 
Parabel vom reichen Manne, der den armen Lazarus in 
Abrahams Schoosse sieht, und endlich die Hölle mit ihren 
Martern, geben dann die unzweideutige Auslegung und 
vollenden die Busspredigt, welche die frommen Bildner 
bezweckten. Räthselhafter ist es, wenn dann weiter an 
den Pfosten des Portals neben den Fürsten der Apostel 
und zwei Propheten drei Paare aufrechtstehender Löwinnen 
dargestellt sind, die mit offenem Rachen und vorgestreckter 
Zunge kampfbereit einander die Vordertatzen auf die Schul- 
tern legen. Besonders diese Thiergestalten, dann aber auch 
jene erwähnten Reliefs, werden als ausserordentlich schön 
und bedeutend geschildert. Das Relief ist weit ausladend, 
die Ausführung dreist und sicher, die Darstellung zwar 
gewaltsam und hart, aber in ihrer allerdings fast grausa- 
men Energie von überraschender Wahrheit. Das Bogen- 
feld enthält die Darstellung des Heilandes mit den vier 
Evangelisten und den vierundzwanzig Alten der Apoka- 
lypse, aber in schwächerem Relief und roherer, geistloser 
Arbeit, so dass man, besonders da auch die untere Archi- 
tektur zu diesem oberen Theile im Missverhältnisse steht, 
vermuthet hat, dass dieser Theil schon unter dem Vor- 
gäuger des Ansquilinus, dem Abte Durandus, der die 
Vorhalle baute, entstanden sei. Jedenfalls giebt diese 
Verschiedenheit den Beweis eines um diese Zeit eingetre- 
tenen Aufschwunges der Plastik in dieser Gegend, der 
vielleicht durch die besondere Begabung eines hier wir- 
kenden Künstlers entstand, und daher nicht bleibend war. 
Bedeutender noch sind die Sculpturen an der Facade 
von St. Gilles in der Provence, von der ich in architek-
        

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