Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936283
Arbeiten 
in 
Stein. 
519 
heim. In allen diesen Fällen sind ruhig stehende oder 
sitzende Figuren gegeben; in der Klosterkirche zu Heck- 
lin gen sind aber in den Zwickeln der Scheidbögen schwe- 
bende Engel angebracht, und bei dieser schwierigeren 
Aufgabe wird es besonders klar, wie die architektonische 
Bestimmung dieser Figuren den Bildner leitete, ihn in 
mancher Beziehung beschränkte, zugleich aber auch ihm 
ein günstiges Stylgesetz gab. Die Engel, obgleich in Be- 
wegung und Haltung verschieden, sind alle mit Weit aus- 
gebreiteten, völlig symmetrisch gehaltenen und conventionell 
gezeichneten Flügeln dargestellt, und dadurch dem ihnen 
angewiesenen Raume, der, unten schmal, sich oben, ver- 
möge der Biegung der Scheidbögen, nach beiden Seiten 
hin erweitert, vollkommen entsprechend. Die Gewänder 
sind mehr oder weniger flatternd und von grosser Man- 
nigfaltigkeit der Motive, aber meistens symmetrisch gehal- 
ten, die Falten noch sehr strenge, aber doch der natür- 
lichen Gestalt entsprechend, die Köpfe grossartig und nicht 
ohne Schönheitsgefühl. So schwebt diese ernste Schaar in 
feierlichem Fluge über der Kirche, und giebt derselben die 
schönste, in diesem Style erreichbare plastische Ausstattung. 
Im nördlichen Frankreich lllld in England zeigt sich 
geringe Neigung zu eigentlicher Plastik, sie kommt nur, 
und auch dies selten, in Bogenfeldern der Portale, häufiger 
an den Köpfen oder Thiergestalten, welche als Consolen 
das Gesims stützen, vor, und ist überall sehr schwach und 
roh I" England giebt es zwar einige sehr alte Taufsteine, 
welche mit figurenreichen Reliefs bedeckt sind, aber die 
Sculptur ist auch hier völlig barbarisch lllld fast kindisch, 
ü] Puttrich a. a. O. Taf. 31 bis 33. Die nothwendige Verbin- 
dung dieser Gestalten mit dem Gebäude macht es wahrscheinlich, dass 
sie noch in diese Epoche gehören, auch scheinen sie ihrem Style nach 
älter, als die in der folgenden anzugebenden sächsischen Sculpturen.
        

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