Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936241
Die 
Egstersteine. 
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zwar gegen 1115, fällt g). Es ist eine grossartige Com- 
position, ernst und strenge, aber zugleich kräftig und 
würdig, mit sehr eigenthümlichen und wirksamen Motiven. 
Die übermässige Länge einiger Gestalten, namentlich des 
Christus, die herkömmliche Darstellung der Sonne und des 
Mondes in Medaillons neben dem Kreuze, die etwas lang- 
gezogenen Gesichtszüge des Heilandes, die strengen regel- 
lnässigen Falten der Gewandlmg sind auch hier byzantini- 
sirend; aber die Bewegungen, wenn auch zum Theil ge- 
waltsam, durchweg kräftig und bezeichnend, die- Motive 
neu und empfunden, selbst der geradlinig fallende Falten- 
Wurf ist eigenthümlich und dem Körper Wohl entsprechend, 
und in der weichen Haltung des weinenden Knaben, der 
die Sonne repräsentirt, lässt sich sogar noch eine Spur 
antiken Geistes erkennen M]. 
1:) Vgl. Massmann, der Egsterstein in Westphalen, Weimar 
1846, und die begleitende vortreiTliche Zeichnung des Bildhauers 
Bandel. Im Wesentlichen übereinstimmend ist die empfehlenswerthe 
Schrift von Dr. Giefers, die Egstersteine, Paderborn 1851. Die Jahrs- 
zahl 1115 findet sich nicht am Relief, sondern im Inneren der in den 
Felsen gehauenen Kapelle, und enthält wahrscheinlich das Jahr der 
Einweihung. Jedenfalls wird die Kapelle, da die Egstersteine erst 
1093 an das Kloster Abdinghof gelangten, erst nach diesem Jahre her- 
gestellt sein. Endlich lässt der Styl des Bildwerkes selbst, bei Berück- 
sichtigung der ungewöhnlich grossen Dimension, der bewegten Haltung 
und der Schwierigkeit der Ausführung am Felsen, auf keine frühere 
Zeit schliessen. 
H") Interessant und zweifelhaft ist die Frage nach der Bedeutung 
der Gestalt mit den Zügen des Heilandes, dem kreuzförmigen Nimbus 
und der Siegesfahxie des Auferstandenen, welche über dem Kreuzesarme 
in halber Figur aufsteigt und die segnende Hand herabhält, und in 
deren Armen man überdies eine Kindesgestalt zu erblicken glaubt. Die 
Meisten erklären sie als die Gestalt Gottes des Vaters, weleher die 
Seele des Heilandes trägt, zur Versinnlichung der Worte: Vater, in 
deine Hände befehle ich meinen Geist, während ein neuerer Besbhreiber, 
der Maler Miehaelis, in einer mir nicht zu Gesicht gekommenen und 
nur durch die Entgegnung im Organ für christliche Kunst 185i, Nro. 
6 bis 8, bekannt gewordenen Schrift dies bestreitet, und darin den auf- 
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