Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936239
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Sculptur. 
in der Schlosskirche zu Mousson, unfern N ancy, welche 
wahrscheinlich der im Jahre 1085 vollendeten Kirche gleich- 
zeitig sind. Das Becken selbst hat die Form eines sphä- 
rischen Vierecks, dessen vier convexe Seiten durch Säulen 
getrennt sind; die Reliefs geben aus dem Leben Johannes 
des Täufers die Predigt, die Taufe des Volkes und die 
Christi, und eine durch einen Bischof vollzogene Taufe  
Noch roher sind endlich die Reliefs an dem Portal des 
Pfarrhofes in Remagen. 
Mit dem zwölften Jahrhundert begann auch die Sculptur 
bessere Formen und einen geregelteren Styl anzunehmen. 
Sie zeigt nun meistens eine geradlinige Strenge der Zeich- 
nung und eine Gewandbehandlung, welche dem Style der 
byzantinisirenden Miniaturen sich nähert, aber offenbar nicht 
von denselben entlehnt, sondern selbstständig durch die 
vorgeschrittene Ausbildung des architektonischen Sinnes 
entstanden ist. Denn mit dieser Strenge verbindet sich 
hier ein selbstständiger, kräftiger Ausdruck, der von der 
preciösen und zahmen Haltung jener Malereien weit abweicht. 
Das grösseste und älteste Bildwerk dieser Art ist das 
berühmte Relief der Kreuzabnahme an den Egstersteinen 
bei Horn im Fürstenthum Lippe, das, früher nur durch 
lmvollkommene Abbildungen bekannt, für älter gehalten und 
den karoliilgischen Zeiten zugeschrieben wurde 9m), nach 
den neuesten Forschungen aber erst in diese Epoche, und 
1'] Abbildungen bei Grille de Beuzelin, Statistique monumentale 
des Arrondissements de Nancy et de Toul., Paris 1837, Taf._12. Be- 
merkenswerth ist, dass die Täuflinge (mit Ausnahme Christi, der im 
Jdrdan steht) sich in einer hölzernen Bütte befinden, wie dies die 
herumgelegten Reifen deutlich zeigen. Die Tracht eines Kriegers im 
Kettenharnisch, mit spitzem Helm und Nasale und dreieckigem Schilde, 
gleicht ganz der auf der Tapisserie von Bayeux, und deutet mithin 
auch auf die Spätzeit des elften Jahrhunderts. 
H] Wie auch von mir Band III, S. 509 geschehen ist, bevor ich 
das Denkmal selbst gesehen hatte.
        

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