Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936210
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Sculptur. 
Orval durch Lambert Patras von Dinant gegossen ist k). 
Hier finden wir zum ersten Male in der Anordnung sym- 
bolische Zahlen und Beziehungen durchgeführt, aber aller- 
dings noch einfacher, als sie in der späteren Epoche zu 
sein pflegen. Das Becken selbst ist rund und ruht auf 
zwölf Stieren, mit deutlicher Hinweisung auf das eherne 
Meer im Vorhofe des Salomonischen Tempels, und mit 
Anspielung auf die Apostel. An der Rundung des Beckens 
sind dann fünf Darstellungen angebracht, zuerst Johannes, 
den Juden Busse predigend, dann derselbe die Zöllner tau- 
fend, ferner die Taufe Christi, darauf die des Hauptmannes 
Cornelius, endlich Johannes der Evangelist, welcher der 
Legende zufolge den Craton, einen Philosophen von Ephe- 
sus, bekehrt. Dies Alles wird durch Beischriften ausser 
Zweifel gesetzt. Der Styl der Arbeit ist überraschend gut, 
die Haltung der Figuren natürlich und ungezwungen, die 
Bewegungen sind edel, die Gewänder einfach und ohne 
Ueberladung mit Falten, die Krieger in voller Rüstung des 
zwölften Jahrhunderts, die Juden mit der bekannten spitzen 
Mütze dargestellt; wir würden ohne jene bestimmte Nacl1- 
richt das Werk etwa fünfzig Jahre später gesetzt haben. 
Man sieht, dass in einzelnen Fällen und bei begabten Mei- 
 Didron, Annales areheol. Vol. V, p. '21 ff. Den Namen des 
Künstlers giebt zwar erst ein Chronist des vierzehnten Jahrhunderts 
(Jean d'Outremer) an; er mag daher bezweifelt werden, wie er denn 
auch in der That bedenklich klingt. Dagegen wird die Bestellung 
durch den im Jahre 1112 fungirenden Abt I-Ielinus in einer der Zeit 
nach sehr nahestehendeu Chronik (Aegidii Aureae vallis Chron. bei 
Chapeauville, Historie Pontificum Tungrensium, V01. II, p. 50), und 
zwar mit einer so genauen Beschreibung der dargestellten Gegenstände 
erzählt, dass an der Identität nicht zu zweifeln ist. Die Legende der 
Bekehrung des Craton findet sich in der Legenda aurea Cap. IX, de 
Scto Johanne ap. et evang. in der Ausgabe von Grässe S. 57. Eine 
nähere Beschreibung der Darstellungen in meinen niederl. Briefen S. 
533. Abbildungen bei Didron a. a. O.
        

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