Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936190
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Plastik. 
Dome zu Merseburg er). Diese Werke lassen, im V er- 
gleiche mit den Reliefs des Bernward, allerdings einen 
grösseren Einfluss des byzantinisirenden Styles erkennen, 
sie zeigen aber auch die Bedeutung und die Gränzen dieses 
Einflusses. Die Gestalt König Rudolphls, etwa zwei Drittel 
der Lebensgrösse, ist im königlichen Ornate, mit langer 
Tunica, kurzem Oberwams oder Harnisch und langem 
Mantel bekleidet, alles mit Andeutung reicher Stickereien; 
es ist zwar nicht die Tracht des Hofes von Konstantinopel, 
aber doch etwas ihr Aehnliches. Der Mantel fällt in vol- 
len, strenggehaltenen, aber natürlichen, nicht übermässig 
gehäuften Falten. Der Kopf steht in ganz senkrechter 
Haltung auf dem Körper, das Gesicht bildet ein sehr re- 
gelmässiges, etwas spitzes Oval, die Züge sind bewe- 
gungslos, die grossen, weit geöffneten Augen starr, die 
Ohren fast in der Höhe des Auges stehend, der Bart ist 
sorgfältig angedeutet. Eine absichtliche Anmäherung an 
byzantinischen Styl ist also nicht vorhanden, aber wohl 
eine entfernte Verwandtschaft mit demselben. Der naive 
rohe 
Naturalismus 
der 
Bernward7schen 
Reliefs 
ist 
VET- 
schwunden, ein Gefühl für Ordnung und Symmetrie macht 
sich auf Kosten der Lebendigkeit und Mannigfaltigkeit der 
Formen geltend. Man scheint diese Strenge als eine Be- 
dingung der höheren Kunst und als nothwendigen Aus- 
druck der Würde betrachtet zu haben. Wir sehen daher hier 
dieselben Motive, welche in der llliniaturmalerei mit der 
1'] Puttrieh, Bd. I, Abth. 2, S. 19 und B1. S. Schon die In- 
schrift lässt kaum einen Zweifel, dass das Denkmal bald nach dem 
Tode des Königs gearbeitet war; man glaubt darin die Stimme eines 
Freundes zu hören, der loben, aber doch nichts sagen will, was An- 
stoss erregen möchte. Er wird „rex merito plorandus", eine vsacra 
victima" genannt; es wird versichert, dass er "consilio gladioque" 
ausgezeichnet gewesen, aber doch darauf hingewiesen, dass seine Ei- 
genschaften für friedlichere Zeiten bestimmt gewesen.
        

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