Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936178
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Plastik. 
erkannt, und der Mangel einer festen Regel der Anordnung 
und Raumeintheilung sehr fühlbar. Die Figuren stehen 
vereinzelt, auf den verschiedenen Feldern in sehr verschie- 
dener Anzahl, bald nach malerischen, bald nach plastischen 
Anforderungen geordnet, bald in flachem Relief, bald hoch 
erhoben und selbst theilweise mit dem Oberkörper ganz 
frei aus der Fläche der Platte hervorragend. 
Im Ganzen ist also die Richtung dieser Schule eine 
völlig naturalistische. Nur der allgemeine Gedanke ist von 
der Trajanssäule entlehnt, die flüchtigen Anschauungen in 
Italien genügten nicht, um die Hand des Arbeitenden zu 
leiten. Von byzantinischer Einwirkung ist noch Weniger 
eine Spur; in Byzanz selbst hatte man ja seit dem Bilder- 
streite die grössere Sculptur ganz aufgegeben, man ver- 
zierte dort die ehernen Thüren mit flacher, eingegrabener 
Zeichnung. Schon das Unternehmen so grosser plastischer 
Arbeiten zeigt die Unabhängigkeit von byzantinischer Kunst. 
Auch die an sich nicht sehr bedeutenden Miniaturen ge- 
Wisser Manuscripte, welche noch jetzt im Domschatze zu 
Hildesheim aufbewahrt werden, und nach lmzweifelhaften 
Inschriften theils von Bernward selbst, theils für ihn ge- 
schrieben sind, haben höchstens im Auftrage der Farben 
Spuren der byzantinisirenden Richtung, schliessen sich aber 
in der Zeichnung der Figuren und im Style der Initialen 
noch ganz an die karolingische Zeit an. 
Bernwardis Bestrebungen standen nicht allein, nament- 
lich wwden Metallarbeiten von grossem Umfange an meh- 
reren Orten ausgeführt. Deutschland erlangte in diesem 
Kunstzweige auch im Auslande eine gewisse Berühmtheit  
 In der Schrift des Theophilus presbyter: Quidquid auri, ar- 
genti, cupri vel ferri lignorum lapidumve solers landet Germania. In 
England rühmte man im elften Jahrhundert Metallarbeiten als „opere 
Teutonico" gefertigt. Vgl. Fiorillo, G. d. z. K. in Deutschland, II, 
272, nota a.
        

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