Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936137
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Plastik. 
Haltung kräftiger, breiter, freier, dabei aber freilich auch 
oft in hohem Grade unschön und roh sind. Ja, man iindet 
Werke, bei denen dieser Naturalismus in Verbindung mit 
der Absicht , bedeutsam zu sein und zu imponiren, zu so 
grellen Formen führt, dass das Sehauerliche in ihnen an 
der Gränze des Komischen steht 
Diese Rohheit des Naturgefühls erklärt es vollkommen, 
dass feiner gebildete Männer sich, um derselben abzuhelfen, 
Wieder näher an antike Vorbilder anschlossen. Der Eifer 
für Kunst und Wissenschaft, den das Ottonische Haus 
begünstigte, hatte am Anfange des elften Jahrhunderts sei- 
nen Höhepunkt erreicht. Nicht bloss die Klostersehulen 
Waren jetzt Stätten künstlerischer Bildung, sondern auch 
auf den bischöflichen Stühlen sassen Männer, die für Wis- 
senschaft und Kunst begeistert Waren, und sie auf alle 
Weise förderten, wie Willigis in Mainz, Meinwerk in 
Paderborn, Bernward in Hildesheim. Sie alle werden von 
verschiedenen Lebensbesehreibern mit fast gleichen Zügen 
geschildert; sie sind gelehrt , schon als Schüler ausge- 
zeichnet, aber zugleich Wahre Kilnstenthusiasten, sie ver- 
suchen sich selbst in verschiedenartigen Arbeiten, ziehen 
kunstgeübte Männer an sich, legen Schulen an, führen auf 
ihren Reisen Zeichner mit sich , um zu copiren was ihnen 
auffällt, und unternehmen zu Hanse grössere oder kleinere 
WerkeÄ Es konnte daher nicht fehlen , dass diese lernbe- 
gierigen. Mäimer von fremden und älteren Leistungen aller 
Art angeregte wurden, und ihr Auge bald auf griechische, 
bald auf antik römische Arbeiten warfen. Der bedeutendste 
 Beispiele sind nicht selten; dahin gehört unter Anderen ein 
mit Niello reich verziertes Altärcherl der ehemaligen Abteikirche zu 
München-Gladbach (Regien-Bezirk Düsseldorf), wo die Rohheit der 
Züge des Heilandes, die grossen Augen, die eckig gebildeten Wangen, 
die kolossale Nase, eigenthümlich mit der Zierlichkeit des Schrnuckes 
contrastiren.
        

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