Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936127
Goldschmiedekunst. 
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nimmt de), dann ferner ein Reliquienkästcheil im Schatze 
des Domes zn Paderborn zu nennen, dessen Niell0- 
arbeiten zwar, wie sich aus ihren zahlreichen lnschriften und 
den dargestellten Personen und Heiligen ergiebt, an jenem 
Orte selbst, um das Jahr 1090 entstanden sind, aber doch 
die Bezeichnung der Mutter Gottes mit einem unorthogra- 
phisch geschriebenen griechischen Worte geben mit). Ne- 
ben diesen Inschrifterl kann man es für eine Spur byzan- 
tinischen Einflusses halten, dass in den Emails ist?) der 
Reliqnienkisten. der Mäander, der Palmettenfries und ähn- 
liche antike Ornamente vorherrschen, dagegen ist der Styl 
der Figuren hier keinesweges in dem Grade, wie in den 
Miniaturen, byzantinisirend, nur in der Häufung der Falten 
findet man einen Anklang daran, Während Formen und 
i") Quid sicut Hel, Fortis, Medicus, Soter, Benedictus 
Prospice terrigenas clemens mediator Usias. 
Die erste Zeile bezieht sich auf die vier Erzengel, deren hebräi- 
sche Namen durch die angeführten Worte übersetzt sind, und auf den 
heiligen Benedikt, der auf der Tafel dargestellt ist. Näheres, über die 
Bedeutung der Verse in den Annal. arch. III, 859, und IV, 2-15, über 
den Styl des Bildwerks in Kuglers Museum 1837, S. 14-1, und Handb. 
d. K. G. S. 490 (N. A. 510). 
H") Auf einer der vier Platten ist Bischof Meinwerk (1009  
1036], auf einer anderen ein Bischof Heinrich, entweder Heinrich I., 
Graf von Aslo (1084  1090), oder sein Nachfolger Heinrich II., Graf 
von Werl (1090 --1127), dargestellt und in der den ganzen Kasten 
umgebenden Inschrift dieser Heinricus als der Stifter des Werkes ge- 
nannt. (Offert mater pia Deus tibi hoc Sca Maria, Heinrieus presul, 
ne vitae perpetnae exul etc.) Unter den Heiligen befinden sich die 
einheimischen Liborius und Kilianus, so wie auch die ausführlichen 
lateinischen Inschriften keinen Zweifel lassen, dass die Arbeit unter 
den Augen des Stifters gemacht ist. Die Jungfrau Maria ist aber als 
Ü ziyza ösoroxmg (sie!) bezeichnet. Das Niello ist theils in Stahl, 
theils in Messing gearbeitet, der Styl hat indessen keinen entschieden 
byzantinischen Charakter. 
 Die Annahme französischer Forscher, dass die Kunst des 
Email nach der Gegend von Limoges in Frankreich von Venetianern 
gebracht sei, ist schon oben Abth. I, S. 340 erwähnt.
        

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