Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-936072
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Wandmalerei. 
welche wir an den Sculpluren des südlichen Frankreichs, 
besonders in Burgund, finden, verwandt, so dass wir eher 
einen Einfluss dieser plastischen Schule vermuthenimöchten, 
der bei dem klösterlichen Verkehr jedenfalls sehr viel er- 
klärbarer sein würde, als wirklich byzantinische Einwir- 
kung, für die uns alle Mittelglieder fehlen. Welches aber 
auch der Ursprung dieser Gemälde sein möge, jedenfalls 
sind sie ein merkwürdiger Beweis, dass sich an einzelnen 
Stellen Schulen bildeten, die, wenn auch Van-s der allge- 
meinen Richtung des Zeitgeistes hervorgehend, doch Weit 
von der gewöhnlichen Behandlung abwichen. 
Sehr auffallend, aber nicht unerklärbar ist, dass das 
südliche Frankreich, das Heimathland der feinen Sitte, 
des Lebensgenusses und der Poesie, so arm an Spuren 
der Wandmalerei ist. Die einheimischen Archäologen selbst 
Wissen nur ein einziges Beispiel zu nennen, N. D. zu Digne 
im Departement Basses Alpes. Ohne Zweifel hängt diese 
Erscheinung mit dem Verfall der Klosterzucht und Klo- 
sterschulen in diesen Gegenden, von dem ich schon ge- 
sprochen habe, zusammen. Man hat berechnet, dass von 
den 120 geistlichen Schriftstellern, welche innerhalb der 
Gränzeil des heutigen französischen Reiches im neunten 
Jahrhundert lebten, mehr als hundert und darunter alle 
anderen Fällen, kann man bemerken, wie der Schluss auf byzantini- 
schen Eintluss, den man aus der Form des Segens ziehen will, täu- 
schend ist. Hier z. B. hat er in den meisten Fällen die Form des 
lateinischen Ritus, nimmt aber bei dem Christus der Vorhalle eine, 
dem vermeintlichen griechischen Ritus ähnliche Form an, indem der 
Daumen durch eine undeutliche Verkürzung der Hand vorliegend er- 
scheint. Uebrigens bedürfte die ganze Frage über die Form des grie- 
chischen Segens, welche schon nach Binterim, Denkwürdigkeiten der 
christ-katholischen Kirche, Brl. VII, Abth. 2, S. 325 5., sehr zwei- 
felhaft ist, nach den wichtigen Bemerkungen, welche Dr. Kortiim (Des 
Silentiarins Paulus Beschreibung der heiligen Sophia, Berlin 1854) bei- 
gebracht hat, einer neuen und gründlichen Untersuchung.
        

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