Volltext: Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter (Bd. 4 = [2], Bd. 2, Abth. 2)

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Wandmalerei. 
einfach, nur das Nothwendige enthaltend, noch ohne eine 
entschieden malerische 'l'endenz, mehr reliefairtig, wenn auch 
nicht in der Protildarstellung. Das 'l'errain ist meist durch 
parallele Linien angedeutet, Bänme und andere Nebensachen 
sind ohne Spur von Naturnachahmung, nur conventionelle 
Zeichen, die zur Erklärung des I-Iergangs den Figuren 
beigegeben sind. Obgleich die Scenen meistens im Freien 
vorgehen, findet sich keine Andeutung, dass die Figuren 
Schatten werfen. Das Kostüm ist sehr einfach gehalten, 
und verräth nicht die Eigenthümlichkeit eines bestimmten 
Landes oder Zeitalters, fast alle Figuren sind in blossem 
Kopfe, in langem, einfarbigem Gewandc ohne byzantini- 
schen Schmuck, mit einfachem, an die Antike erinnernden 
Faltenwurf. Die Reiter haben weder Sporen noch Steig- 
bügel. Die Gestalten selbst sind übermässig lang, mit 
tänzelndem Gange und leichten, zierlichen Bewegungen. 
Gott Vater erscheint durchweg in den Ziigen des Heilan- 
des, zuweilen, z. B. bei der Erschaffung der Himmels- 
lichter und bei der Anbetung des Noah, in wahrhaft gross- 
artiger Haltung Ueberhaupt sind die Gemälde, un- 
geachtet aller Mängel, keinesweges ohne künstlerische 
Wirkung; sie imponiren gerade durch ihre Einfachheit; 
das Hohe und Bedeutsame der Gegenstände ergreift um 
so mächtiger, weil es von dem Kleinlichen der gemeinen 
Wirklichkeit frei ist, und die strenge Haltung der über- 
schlanken Figuren macht einen geheimnissvollen, feierlichen 
Eindruck. Leider steht dieses wichtige Denkmal der Wand- 
malerei so allein, dass es uns unmöglich ist, Näheres über 
seine Entstehung zu erforschen. Der Styl erinnert aller- 
dings an byzantinische Miniaturen, aber dennoch fehlt es 
an genügenden Gründen, die Thätigkeit griechischer oder 
3') Grossartig gedacht 
Fluthen entgegentreibt. 
die 
ist 
auch 
der 
Engel, 
dem 
welcher 
Pharao
	        
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