Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-935902
in 
Deutschland. 
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Himmelsräume, den poetischen Gedanken, der dem Zeich- 
ner vorschwebte, bestimmt genug ausspricht, und dass 
gerade die phantastische Richtung der Kunst dazu behülflich 
war. Auch die folgenden Blätter, Christus in der Glorie 
unter den Chören der Engel und von dem unten stehenden 
Volke verehrt, dann der Traum des Nebucadnezar mit 
dem Sturz des Giganten auf ehernen Füssen, und endlich 
Daniel selbst, der dem Worte des Engels ilauscht, sind, 
wenn auch minder bedeutend, doch gedankenreich und für 
diese Zeit gut ausgeführt. 
Freilich sind die Miniaturen dieser Zeit sehr ungleich, 
und die Vorzüge der so eben erwähnten Blätter entstehen 
nicht durch die allgemein verbreitete Technik, sondern durch 
die poetische Begabung ihres Urhebers. Allein dennoch 
zeigen die angeführten Beispiele, wie sich, sobald nur die 
ersten Vorstufen überstiegen waren, der künstlerische Geist 
regte rmd in seinen noch unbeholfenen Versuchen weitere 
Erfolge vorbereitete. 
Frankreich stand, wie in der Disciplin der Kloster- 
schulen und in der Gelehrsamkeit, auch in Beziehung auf 
Miniaturmalerei während dieser Epoche hinter Deutschland 
zurück, zeigt aber doch schliesslich eine ähnliche Entwicke- 
lung. Die wenigen französischen Handschriften des zehn- 
ten Jahrhunderts, welche wir besitzen, sind von der äusser- 
sten Rohheit und auch in Beziehung auf Farbe und Ver- 
goldung dürftig gehalten. lm elften Jahrhundert finden wir 
neben der Wiederaufnahme des karolingischen Initialenstyls 
eine byzantinisirende Farbenbehandlung, die wohl von 
Deutschland hieher übertragen sein mochte, aber noch in 
den Arbeiten aus der zweiten Hälfte dieses und dem An- 
fange des folgenden Jahrhunderts ist die Technik schwächer 
als dort. Uebrigens mischen sich auch hier altcluistliche, 
typische Motive schon mit den phantastischen Gebilden, und 
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