Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-935880
in 
Deutschland. 
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dass jedesmal beim Beginn eines Buchstabens in der lexi- 
kalischen Folge eine Initiale aus Pflanzengewinden und 
Thieren eintritt, welche oft biblische Darstellungen, ohne 
Bezielumg auf den Inhalt des Lexikons enthält. Die Figu- 
ren in diesen Letzten sind überaus barbarisch und steif, 
auch in der Farbe, obgleich mit einem Anfluge byzantini- 
sirender Weise, schwach, die Bildung der Buchstaben aus 
Pflanzen und Thiergestalten und die Verbindung des Hi- 
storischen mit der Form des Buchstabens ist aber oft sehr 
sinnreich und geschmackvoll. S0 ist die Form des R be- 
nutzt, um in der oberen Abtheilung den reichen Mann 
speisend, in der unteren den armen Lazarus darzustellen. 
Das darauf folgende S giebt dann die Fortsetzung der Ge- 
schichte, unten den reichen Mann im I-Iöllenpfuhle, oben 
den Armen in Abrahams Schoosse, Wobei der Buchstabe 
selbst noch eine Art von Commentar enthält, indem die 
beiden Enden OeHnungen bilden, bei Welchen in die obere eine 
menschliche Gestalt hineinsteigt, aus der unteren eine Schlange 
heraussieht, gewiss mit der Andeutung, dass die Weltlust 
den Menschen, der ihren (durch die Form des S bezeich- 
neten) Schlangenwegen folgt, zuletzt zur Hölle führt. Auch 
ist oft das Historische bloss durch die Arabeske des Buch- 
stabens gegeben; so bei dem D, wo neben den Worten: 
Salva me Domiue in den Rankengeurinden eine betende 
weibliche Gestalt und ein Mönch, der mit einem Filchs 
ringt, vorkommen, und bei dem L, WO einem lilanne, der 
aus dem Rachen eines Ungeheuers herausgezogen wird, 
die Worte beigeschrieben sind: Ab inferis educ me. Einige 
Male bestehen die Initialen auch bloss aus Thierkörpern, 
so dass dieselbe phantastische Richtung, welche noch in 
den Alphabeten des Meisters E. S. von 1466 die Kupfer- 
und die Bedeutung der Jahreszahl habe. Indessen deutet der Styl der 
Zeichnungen jedenfalls auf die erste Hälfte des zwölften Jahrhunderts.
        

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