Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-935874
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Miniaturmalerei 
gar nicht abgesehen, der Gegenstand ist behandelt, wie 
wir es in der Arabeske gestatten; es kam dem Künstler 
nur darauf an, das Einzelne des wirklichen Hergangs 
durch eine symmetrisch oder sonst gefällig angeordnete 
Gruppe zur Anschauung zu bringen. Selbst diejenige Rück- 
sicht auf eine naturgemässe Anordnung, welche die alt- 
christliche und die byzantinisirende Kunst aus der Antike 
beibehalten hatten, ist hier verschwunden. Statt ihrer sind 
allgemeine, architektonisch-malerische Principien der Sym- 
metrie, Harmonie und des Farbenschmucks eingetreten. 
In vielen Fällen führte dies allerdings zu einer hand- 
Werksmässigen und geistlosen Behandlung, bei der man 
sich begnügte, die Hergänge in typischer Form darzu- 
stellen und durch Gold- und Farbeuschmuck zu zieren  
Nicht selten aber entwickelte sich aus dieser freieren, phan- 
tastischen Behandlung auch ein anerkennenswerthes poeti- 
sches Element. Ein Beispiel dafür gewährt der mit dem 
Namen: Mater verborum bezeichnete, im vaterländischen 
Museum zu Prag bewahrte Codex eines lateinischen VVör- 
terbrlchs, der, wenn man einem darin enthaltenen Ver- 
merke Glauben schenken darf, schon im Jahre 1102 durch 
einen böhmischen Maler mit Miniaturen ausgestattet ist, 
jedenfalls aber Wohl aus der ersten Hälfte des zwölften 
Jahrhunderts stammt 9'654]. Die Malereien bestehen nur darin, 
k) Ein datirtes Beispiel hiefür ist das Pontificaie des Bischofs 
Otto des Heiligen (1- 1139) in der Bibl. zu Bamberg, Jaeck a. a. 0. 
Nro. 1013 und p. XXVIII. Wüiagen K. u. K. W. a. a. O. S. 193. 
 Vgl. Waagen im D. K. B]. 1850, S. 130. In der letzten Ini- 
tiale sind neben der Jungfrau zwei verehrende Mönche dargestellt, die 
in Spruchbänrlern als Schreiber und Maler bezeichnet werden. Bei der 
den letzten betreffenden Schrift: Ora p. illre. (illuminatore) Miroslav, 
ist die Zahl MOII beigefügt. Die "Ungewöhnlichkeit einer solchen Da- 
tirilng durch blosse Angabe der Jahreszahl ohne weitere- Beifügung er- 
weckt einige Zweifel, ob die überaus kleine Schrift ursprünglich sei
        

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