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Erste
Epoche.
reimartige Cantilena mit einzelnen Anfängen metrischen
'l'onf'alles 9c). In andern Fällen kommt auch zufällig ein
Gleichklang in die Feder des Schreibers, der ihn reizt, ähn-
liche Gleichklänge zu suchen; er schaukelt sich in diesem
angenehmen Wechsel und wird aus Wohlgefallen daran
geschwätzig. Vor Allem sind es kriegerische Ereignisse,
ritterlicher Prunk, die in solcher Weise gefeiert werden sie).
Man sieht in diesen kleinen Zügen den Geist der Unruhe,
der einer neuen Gestaltung der Verhältnisse vorherzugchen
pflegt, und vorläufig, bis er zum eigenen Gestalten kommt,
die Harmonie des bisherigen Zustandes trübt.
Nachdem wir so die Verschiedenheit der Völker und
den allgemeinen Entwickelungsgang innerhalb dieser Epoche
betrachtet haben, bleibt mir noch übrig, einen Blick auf die
Zustände des P rivatlebens zu werfen. Zwar haben wir
darüber
HUT
spärliche
Nachrichten ,
aber
diese
ergeben
Zllf
ü) S0 spricht der Bischof Giraldus von den widerwärtigen Schick-
salen König Heinrichs II. von England. Da sagt er denn mitten in
seiner gehaltenen Prosa: Unde habere debuerat gaudium, inde gladium,
unde securitatem, inde securim, unde pacem, inde pestem. [Wovon
er haben sollte Segen, hatte e-r den Degen, wovon Heil, davon das
Beil, wovon Freuden, davon Leiden.) Ebenso in der Charakterschil-
derung des Königs; Humilitatis amator, nobilitatis oppressor, superbiae
caleator. (Der Niedrigkeit Wohlthäter, des Adels Unterdrücker, des
Stolzes Zertreter.)
H) Guibert v. Nogent U" 1124. Bei Raumer Handbuch merkwür-
diger Stellen d. M. A. S. 190] schaltet bei der Belagerung von Nicaea
einen Gesang von 97 Versen ein, in dem er weiter nichts sagt, als
dass herrliche Thaten verrichtet wurden. In der Lebensgeschichte des
Bischofs Meinwerk von Paderborn bricht der Schreiber (ein Miinch aus
dem Anfange des 12. Jahr-h.) bei Erwähnung der Klosterschule, offenbar
in Erinnerung seiner eigenen Schulzeit, in Reimen aus: Quando ibi
Musici fuerunt et Dialect-ici, enituerunt Rhetorici clarique Grammatici.
Quando Magistri artium exercebant trivium, quibus omne studium erat
circa quadrivium. Viguit Horatius, magnus et Virgilius, Crispus m-
Sallustius et urbanus Statius. Ludusque fuit omnibus insudare versi-
bus et dictamiuibus jucurldisque cantibtis.