Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-935849
Deutschland. 
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keit hervorgegangene Bestreben allmälig an Kraft. Auch 
dies hatte freilich zunächst nicht gerade günstige Wirkun- 
gen; die 'l'echnik wurde mehr vernachlässigt, ein neues 
Princip trat noch nicht mit Entschiedenheit hervor, die er- 
starrten Züge der missverstandenen Antike mischten sich 
mit naturalistischen Rohheiten, unklare Gedanken brachten 
bei dem Unvermögen der Zeichner, sie naturgemäss auszu- 
drücken, noch schlimmere und gewaltsamere Verrenkungen 
der Glieder hervor, als in der bisherigen Kunst. Man mag 
daher diese Zeit und zum Theil noch den Anfang des 
zwölften Jahrhunderts in dieser, mehr technischen Hinsicht 
als die tiefste Stufe des Verfalls betrachten  Allein 
dennoch treten doch schon jetzt die Spuren einer beginnen- 
den Besserung hervor. Jene allzugehäuften und durch feine 
Linien gezeichneten Falten, die wulstigen, Widernatürlich 
runden Umrisslinieil verschwinden, die Haltung und Ge- 
wandung der Gestalten ist zwar steif, aber einfacher und 
insofern weniger von der Natin abweichend. Die geraden, 
oft eckig gebrochenen Linien, die vorwaltende Neigung zu 
einer strengen Symmetrie, offenbar Aeusserungen des über- 
wiegend architektonischen Sinnes, entsprechen zwar der 
Natur keinesweges, aber sie beleidigen das Auge Weniger. 
Die Farben haben nicht mehr die weichen Uebergänge wie 
in der byzantinisirenden Zeit, sie sind oft hart und roh 
aufgesetzt, namentlich seitdem man anfing, die Röthe der 
m) Waagen (K. u. K. W. in Paris, S. 268) erklärt sogar die Zeit 
von 1000 bis 1150 für die des tiefsten Verfalls der deutschen Malerei, 
und nimmt noch in der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts ein 
ferneres Sinken (D. K. Bl. 1850, S. 147) und als Ursache dafür "die 
tiefe, politische Zerüttung dieser Zeit" an. Ich glaube indessen nicht, 
dass die Zustände nach dem J. 1100 ungünstiger waren, als im elften 
Jahrhundert, und finde auch schon in manchen, unzweifelhaft noch 
aus der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts, jedenfalls aus der ersten 
des folgenden herrührenden Miniaturen viel erfreulichere Leistungen 
als in denen der byzantinisirenden Schule.
        

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