Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-935839
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Miniaturmalerei 
neu gezeichnet hat, während er selbst oder die mit dem 
Einbande beschäftigten Mönche denn doch auch jene Ent- 
würfe bewahren wollten, und so dem Texte vorhefteten. 
Die künstlerische Erfindung ist daher schon in bewusster 
'l'hätigkeit. Auch die oft ausführlichen Allegorien dieser 
Handschriften zeigen manche Eigeirthümlichkeiteil, und eine 
Handschrift der Apokalypse, ebenfalls aus der Zeit Hein- 
rich's, giebt allerdings in theils roher, theils manierirter 
byzantinisireilder Zeichnung eine Menge von derb phanta- 
stischen und wahrscheinlich neuen Compositionen. In ein- 
zelnen Fällen erhielt sich auch noch neben der feineren 
byzantinisireildcil Behandlung der Farben der freiere Sinn 
für die antike Form und für natürliche Wahrheit, wie dies 
das für den Erzbischof von Trier (978  993) gefertigte, 
jetzt auf der städtischen Bibliothek daselbst bewahrte Evan- 
geliarium zeigt, dessen zahlreiche Bilder zwar den 'l'ypus 
der Zeit tragen , aber doch in dem Ausdrucke der Köpfe 
und in der Schönheit der Gewandung die unmittelbare Nach- 
wirkung römischer Tradition rmd in der Körperbilduxlg 
germanische Anschauung und Naturbeobachtilng zeigen de). 
Dieser byzantinische Einfluss War daher nur ein sehr 
bedingter, er brachte nur in Beziehung auf die Technik, 
nicht auf die Auffassung Veränderiulgen hervor, er hing 
mit dem Streben nach einer vermeintlichen Grossartigkeit, 
welches durch die veränderte Richtung der Zeit und na- 
mentlich durch die jetzt vorherrschende Schulgelehrsamkeit 
schon vorher aufgekommen war, enge zusammen, er wirkte 
endlich nicht an allen Orten gleich stark. 
In der zweiten Hälfte des elften Jahrhunderts verlor 
dies byzantinisirende oder aus pedantischer Schulgelehrsam- 
4'] Auch in der Schule von St. Gallen scheinen sich die antiken 
Traditionen noch länger erhalten zu haben. Waagen im D. Kunstblatt 
1850, S. 92.
        

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