Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-935810
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Miniaturmalerei. 
nur insofern vor, dass der Jungfrau zuweilen der Name 
Theotoeos, aber ganz oder nur mit Beibehaltung des grie- 
chischen Anfangsbuchstabens in lateinischer Schrift beige- 
fügt ist k). Die Zeichner waren also Deutsche, bei denen 
nur der griechische Name der Mutter Gottes in Ansehen 
und Aufnahme gekommen war. Auch scheint es nicht, 
dass ihnen griechische Vorbilder vorlagen. Höchstens einige 
Gestalten der Evangelisten haben eine nähere Verwandt- 
schaft mit byzantinischen Malereien; dagegen erhält sich in 
manchen Beziehungen der abendländische Gebrauch, nament- 
lich ist Christus am Kreuze immer bloss mit dem Schurze, 
nicht nach griechischer Weise völlig bekleidet. [Teberhaupt 
finden sich keine Spuren byzantinischen Kostüms; die hei- 
ligen Gestalten sind in hergebraehtem antiken Gewande, 
gemeine Gestalten schon in der Landestracht dargestellt  
A. II, 42, erscheint auf einem Blatte der Kaiser von zwei Aposteln 
gekrönt, mit der Beisehrift: Utere terreno, eoelesti postea regno. 
In dem Evangeliarium, Nro. 280 (jetzt, A. II, 46) überreicht "Hein- 
ricus rex pius" der Jungfrau Maria das Buch. In den s. g. Gebet- 
biichern Heinrichs und der Kunigunde finden sich Gebete für den Kai- 
ser und die Kaiserin als für Lebende, sogar für ihre Nachkommenschaft, 
also offenbar noch mit einer Aussicht auf die Zukunft und früher ge- 
schrieben, als man die Kinderlosigkeit für einen Beweis der Keusch- 
heit des frommen kaiserlichen Ehepaars annahm.  
i") Waagen (a. a. O. S.  irrt, wenn er annimmt, dass in dem 
erwähnten Evangeliarium Nro. 280 das Wort Theotocos mit griechischen 
Buchstaben unter Verwechslung des griechischen Sigma (C) mit dem K 
geschrieben sei. Es sind lateinische Lettern nur mit Ausnahme des 
Anfangsbuchstabr-ns, man hat also das griechische Wort ausgesprochen 
und in die lateinische Orthographie übersetzt. Dies ergiebt sich näher 
aus dem allerdings etwas späteren Missale S. Greg. (bei Jaeek, Nro. 
604, p. XXIII, jetzt Ed. III, 11), in welchem auch der Anfangsbuch- 
stabe (Th) lateinisch ist und übrigens dieselben Lettern wie dort bei-- 
behalten sind. 
H) So ist in dem Evangeliarium Nro. 280 (A. II, 46) unter der 
Darstellung des träumenden Joseph  ein schlafender Diener ange- 
bracht, der seine Schnürstiefeln neben sich gestellt hat und mit nackten
        

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