Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930673
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-935778
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Miniaturmalerei. 
durch das Buch selbst beglaubigter Tradition, von dem 
kaiserlichen Ehepaare geschenkt war. Wie jener verlorene 
Codex, den ebenfalls Otto II. dem Dome zu Magdeburg 
geschenkt hatte de), ist auch dieser mit den Bildnissen des 
Kaisers und der Kaiserin geschmückt. Schon in den Bei- 
schriften der Miniaturen zeigen sich Spuren griechischen 
Einflusses. Auf dem Titelblatte zum Evangelium des Lucas 
sind Goldmünzen des Kaisers Constantin mit ihren grie- 
chischen Inschriften nachgemalt. Bei der Darstellung der 
Hochzeit zu Cana sind die W asserkrüge mit dem griechi- 
schen, aber zum Theil mit lateinischen Buchstaben ge- 
schriebenen Worte Hygriae, auf dem Titelblatte ist der 
Erlöser, mit der, griechischen Ursprung verrathenden Bei- 
Schrift: Regnator Olympi, bezeichnet. Wir entnehmen 
schon hieraus, dass nicht Griechen, sondern lateinisch ge- 
bildete Deutsche, aber mit Benutzung griechischer Origi- 
nale, daran gearbeitet haben. Dies bestätigen auch die 
zahlreichen Malereien. Sie lassen drei Hände erkennen; 
die eine, von der die vorderen Blätter und zum Theil auch 
die Bilder der Evangelisten herrühren ist), ist schon geübt 
im byzantinisirenden Style, eine zweite giebt ungemein rohe 
Zeichnung mit gelber, eine dritte etwas bessere mit rötli- 
licher Carnation. Wir erkennen also eine Schule, die sich 
heranbildet, und in der einige im neuen Style völlig geübt, 
andere noch durch die alte Gewohnheit gehemmt sind. 
Eigenthümlich sind auch die teppichartigeil Muster der un- 
beschriebenen Blätter, welche die verschiedenen Evangelien 
trennen, und die nicht gemalt, sondern auf mechanischem 
4') Ohronicon Magdeburgense ap. Meibom. Scr. Rer. Germ. T. II, 
p. 276. Librum ex auro et gemmis imaginem ipsius et Theophaniae 
conjugis ejus continentem donavit. Vgl. Fiorillo I, p. 73. 
M] Namentlich der greise Johannes, der mit weissem Barte, dun- 
kelem Gesichts und tiefliegenden Augen die beabsichtigte Wirkung sehr 
wohl hervorbringt.
        

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